Klartext: Die Treiber der Pandemie

Christopher Göbel
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Christopher Göbel

Redakteur Christopher Göbel fragt sich, was man momentan für die Allgemeinheit tun kann, um die Pandemie zu überwinden.

Mit den neuen Beschlüssen der Coronarunde der Bundesregierung droht den Ungeimpften in unserem Lande Ungemach: Sie sollen weniger Freiheiten haben als diejenigen mit Corona-Schutzimpfung und sie sollen ihre Tests ab Oktober selbst bezahlen müssen. Was zunächst wie eine Impfpflicht durch die Hintertür klingt, ist für mich aber dennoch das einzige Mittel, um in Deutschland eine Herdenimmunität zu erreichen und damit möglicherweise) eine Nach-Corona-Zeit für alle Bürgerinnen und Bürger beginnen zu können.

Dass wir wieder alle Feste sorglos feiern können, ohne Test und Beschränkungen Konzerte, Sportveranstaltungen und Feierlichkeiten besuchen können, vielleicht sogar irgendwann wieder ohne Maske einkaufen und Zug fahren dürfen. Aber das geht nur, wenn die Pandemie eingedämmt ist.

Für mich ist die Schutzimpfung, die ich selbst seit einigen Wochen vollständig habe, der einzige gangbare Weg, um die genannten Ziele zu erreichen. Zahlreiche Vertreter aus Politik und auch Showbiz sehen das ähnlich.

Aber eben sehen viele Menschen das nicht so. Laut dem Ost-Bundesbeauftragten Marco Wanderwitz hängt eine niedrige Impfquote im Osten kausal mit einer hohen Zustimmung für die AfD in den ostdeutschen Bundesländern zusammen. Das zeigt sich auch auf den bisherigen Anti-Corona-Demos, bei denen Impfverweigerer Seite an Seite mit Neonazis und den Blau-Roten marschierten.

Freiheiten wollen sie. Keine Corona-Beschränkungen wollen sie mehr haben. Dass genau das allerdings dann in greifbare Nähe rückt, wenn sie sich statt Netzstrumpfhosen überm Gesicht eine Impfdosis mit den aktuellen Vakzinen verabreichen lassen würden, scheint machen geistigen Impfverweigerer-Horizont zu übersteigen.

Ich bin auch sicher, dass die Maßnahmen der Regierung gegen die Pandemie auch in Zeiten, in denen die Inzidenzen noch niedrig sind, sehr viel deutlicher ausgefallen wären, wenn nicht in wenigen Wochen die Bundestagswahl anstünde. Keiner will jetzt durch zu strenge Einschränkungen Wähler verprellen und damit Stimmen verlieren. Wenn die Lage sich im Herbst verschlechtert, muss die dann neue Regierung unter einer oder einem ebenfalls neuen Bundeskanzler/-in zeigen, ob sie die Krise ebenso managen kann wie Angela Merkel das bisher getan hat.

So lange das Coronavirus Deutschland und die Welt beschäftigt, kann jeder einzelne durch die Impfung etwas für sich UND für die Allgemeinheit tun. Die Pandemiebekämpfung funktioniert nur gemeinsam. Ich würde Impfverweigerer nicht als Staatsfeinde bezeichnen. Aber Egoisten und Pandemietreiber darf ich sie schon nennen – meine Begründung dafür steht im ersten Teil dieses „Klartext“-Kommentars.

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