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Klartext: Doping für Devisen

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"Humanexperimente" sind für die Erforschung und Zulassung neuer Medikamente vorgeschrieben und rechtlich zulässig. Aber nur dann, wenn sic

"Humanexperimente" sind für die Erforschung und Zulassung neuer Medikamente vorgeschrieben und rechtlich zulässig. Aber nur dann, wenn sich eine einsichtsfähige Testperson freiwillig dazu entscheidet und umfassend über mögliche Konsequenzen für Leib und Leben aufgeklärt wird.

Das ist zwischen 1983 und 1989 bei den bisher bekannt gewordenen 600 Medikamenten-Studien von 50 westdeutschen Pharma-Unternehmen an 50.000 "DDR-Versuchskaninchen" nachweislich nicht befolgt worden. 30 Jahre nach Beginn der "Studien" und mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist das ein Skandal, bei dem ich wegen Atemnot fast zu einem Anti-Asthma-Inhalator greifen muss. Nur gut, dass gerade keiner im Haus ist.

"Sandoz", heute Teil von "Novartis", testete den Blutdrucksenker "Sprirapril". Zwei Menschen starben – das "Projekt" wurde abgebrochen. "Hoechst", heute bei "Sanofi", "verschenkte" den Blutverdünner "Trental" – zwei Probanden verstarben. "Boehringer-Mannheim", heute bei "Roche", dopte 30 unterentwickelte Frühgeborene mit "Erythropoetin" (EPO). "Schering", heute unterm "Bayer"-Kreuz, verabreichte unter anderem "Nimodipin" zur besseren Durchblutung des Gehirns. Bis zu sechs Millionen D-Mark pro Jahr soll "Bayer" der Berliner Charité für medizinische Studien geboten haben. Sicher, das ostdeutsche Gesundheitswesen war ab Anfang der 80er-Jahre chronisch pleite und die Grundversorgung nicht gewährleistet. Da kamen Finanzspritzen und Medikamente aus dem Westen für mehr als 50 DDR-Kliniken gerade recht. Wie hätte die Alternative, nämlich eine Nicht-Medikation von Kranken, ausgesehen? Ist ein Rettungsversuch durch unbekannte West-Präparate schlimmer als eine Behandlung mit billigen Ost-Medikamenten oder eine Unterlassung dank fehlender Möglichkeiten? Ist Ethik wichtiger als Fortschritt durch emotionslose, nüchterne Wissenschaft? Fragen, die ich nicht lösen möchte.

Der Contergan-Skandal um "Grünenthal" 1961 bewies, dass West-Pharma-Riesen natürlich auch Bürger der "freien Welt" ins offene Messer laufen ließen. Damals reichte die Testung an Nagetieren für den rezeptfreien Vertrieb völlig aus. Die "kluge" DDR lehnte Herstellung und Zulassung des Schlafmittels hingegen ab.

Ohne Unterschrift und Einwilligung wurde mit Not und Leiden der hilfesuchenden Patienten Gewinn gemacht. Diese illegalen Menschenversuche sind unverzeihlich und belasten die deutsche Versöhnung, die Menschenrechte sowie die "saubere BRD" schwer. Deswegen freue ich mich schon auf deftige Entschädigungsklagen gegen rücksichtslose, zwielichtige Arzneimittel-Konzerne.

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