Klartext: Eine Frage der Ehre

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Eigentlich wollte ich nicht schon wieder einen "Klartext" über den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff schreiben. Aber die derzeitige D

Eigentlich wollte ich nicht schon wieder einen "Klartext" über den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff schreiben. Aber die derzeitige Diskussion um einen "Ehrensold" als Ruhestandsgeld auf Lebenszeit für einen ehemaligen Bundespräsidenten beschäftigt mich doch. 20 Monate Arbeit und einen Jahres-Ehrensold von 199.000 Euro bis zum Tod – das scheint mir in keinem Verhältnis zu stehen. Zumal Wulff ja nicht der einzige noch lebende Alt-Bundespräsident – obwohl ich von Alters wegen Wulff lieber als Ex-Präsidenten bezeichnen möchte – ist, der den Ehrensold derzeit erhält. Walter Scheel, Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Horst Köhler stehen auch noch auf der "Pensionärsliste" der Bundesrepublik Deutschland.

Hat Christian Wulff diese jährliche Apanage wirklich verdient? Wenn ich mich so an seine kurze Amtszeit erinnere, hat er den Deutschen weder Impulse gegeben noch ist er durch diskutable Meinungen auf den Plan getreten – einmal abgesehen von seiner Islam-Äußerung. Meiner Meinung nach sollte er den Ehrensold nicht erhalten. Wulff, der ja bekanntlich beste Beziehungen zur Wirtschaft unterhält, dürfte mit seine 52 Jahren mit Sicherheit nicht zu den durchschnittlichen "Ü-50-Arbeitslosen" dieser Republik zählen. Somit kann er bis zum normalen Renteneintrittsalter auch noch arbeiten.

Ob als Jurist oder Berater in der freien Wirtschaft – wenn (oder besser: falls) seine "Wirtschafts-Freunde" auch nach dem erfolglosen Präsidenten-Intermezzo zu ihm halten, dann wird Wulff bald eigenes Geld verdienen können und ist nicht auf die läppischen 16.583 Euro "Monatsgehalt" vom Staat angewiesen. In der freien Wirtschaft würde er sicherlich mehr verdienen können, siehe seinen niedersächsischen Ministerpräsidenten-Amtsvorgänger Gerhard Schröder, der sich bei "Gazprom" eine goldene Nase verdient.

Die schwarz-gelbe Koalition hat verlauten lassen, dass sie den Wulff’schen Ehrensold an zwei Bedingungen knüpfen wolle: Er dürfe keinen Job in der Wirtschaft annehmen und die laufenden Ermittlungen dürften nicht in einem Strafverfahren gegen ihn enden. Wie edel von Schwarz-Gelb ... zumal der Ehrensold nur Alt-Bundespräsidenten zusteht, die entweder regulär aus dem Amt scheiden oder aus politischen Gründen zurücktreten. Wulff aber tat es aus persönlichen Gründen – was eine Debatte an sich überflüssig macht. Ehrenhaft wäre es, wenn Wulff von sich aus verzichten würde – vielleicht könnte er damit im Volke ein wenig des verlorenen Respekts zurückgewinnen.

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