Klartext: Eine Frechheit!

Mitglieder der Jungen Union Hessen stehen derzeit in der Kritik. Wie geht man richtig mit einem solchen Fehlverhalten von jungen Menschen um? MdB Klaus-Peter Willsch tut es, nach der Meinung von Redakteurin Antonia Schmidt, nicht.

Würde man den Mitgliedern der hessischen Jungen Union, die in Berlin durch das Singen des „Westerwaldliedes“ negativ aufgefallen sind, keine böse Absicht unterstellen, dann müsste man den Vorfall als höchst unglücklich bezeichnen. Fakt ist, das „Westerwaldlied“ an sich enthält keine rassistischen, sexistischen oder beleidigenden Formulierungen und kommt als ein schönes Wanderlied für Heimatfreunde da her – ähnlich wie das in unserer Region bekannte „Kreuzberglied“. Dennoch sollte man sich der Geschichte des „Westerwaldliedes“ bewusst sein. Es wurde in der Zeit des Dritten Reiches von Soldaten der Wehrmacht gesungen, während diese in Polen, Frankreich, Holland und Luxemburg einmarschierten. Allgemein galt das „Westerwaldlied“ bei der Wehrmacht als sehr beliebt.

Ist vor diesem Hintergrund ein völlig harmlos scheinendes Lied dann doch nicht so harmlos? Besonders wenn man beachtet, dass die Mitglieder der JU Hessen dieses Lied am 80. Jahrestag der Reichspogromnacht grölten. Man muss sich den Vorgang klar vor Augen führen: Eine politische Gruppierung singt an einem Tag, an dem an die Schreckenstaten des NS-Regimes erinnert wird, ein Lied, das einst von der Wehrmacht geschmettert wurde. Als harmlos kann ich dieses Verhalten nicht abtun. Vielleicht war es auch nur dumm und unüberlegt, aber die Reaktion des CDU-Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Rheingau-Taunus/Limburg, Klaus-Peter Willsch, kann ich absolut nicht verstehen. Auf seiner „Facebookseite“ verteidigt der Politiker die jungen Mitglieder seiner Partei und unterstellt dem Journalisten des „Berliners Tagesspiegels“, der diesen Skandal öffentlich gemacht hatte, dass er der Jungen Union „nur eins mitgeben“ wolle. Eine Frechheit! Gerade Politiker sollten wissen, wie man sich in der Öffentlichkeit zu verhalten hat. Anstatt den Journalisten anzugreifen, dessen Job es ist, sich kritisch mit solchen Themen auseinanderzusetzten, hätte sich Willsch mit den JU-Mitgliedern aus seinem Wahlkreis zusammensetzen und sie über ihr Fehlverhalten aufklären sollen. Stattdessen schließt er seinen Post mit dem Text des „Westerwaldliedes“ ab.

Traurig, dass eigene Fehler, auch wenn sie (eventuell) nicht bewusst begangen wurden, nicht zugegeben werden. Am Ende frage ich mich: Was lernen die jungen politisch interessierten Menschen daraus? Ich vermute: Nichts!

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