Klartext: Fahrverbote sind falsch

Redakteur Christopher Göbel schreibt über die Problematik, die durch immer größere Autos in unseren Städten entsteht.

Nach dem schrecklichen Unfall in Berlin, bei dem ein SUV (Sports Utility Vehicle) in eine Fußgängergruppe raste und vier Menschen getötet wurden, scheiden sich die Geister in Deutschland. Unabhängig, warum dieser Unfall passierte, gibt es Menschen, die für ein Innenstadtverbot der SUVs plädieren. Auch zu einer Mahnwache am Unfallort wurde aufgerufen. So schlimm der Unfall auch war, ihn für politische Propaganda zu nutzen, halte ich für falsch. Zumal noch gar nicht klar ist, wie es genau zu dem Unfall kam. Die Ermittlungen laufen noch.

Vorweg: Ich fahre selbst keinen SUV. Wenn ich mich zwischen einem „normalen“ Mittelklasse-Wagen und einem SUV entscheiden müsste, würde meine Wahl auch nicht auf den SUV fallen. Warum? Mir sind diese Dinger einfach zu groß. Ich brauche das nicht, denn ich komme mit meiner Unteren Mittelklasse ganz gut von Ort zu Ort. Und ich denke mir auch, dass ich weniger Benzin verbrauche und damit ein bisschen umweltbewusster unterwegs bin.

Doch zurück zu möglichen Fahrverboten in Innenstädten: Selbst wenn irgendein Gesetz es den SUV-Fahrern verbieten würde, die Innenstädte unseres Landes zu befahren, würden sich die Gerichte sicherlich mit zahlreichen Klagen dagegen beschäftigen müssen. Ob man es will oder nicht: SUVs sind Personenkraftwagen. Und was für alle anderen Pkw gilt, muss auch für die „großen“ gelten. Ein Verbot dürfte also mit Erfolg angefochten werden. Und man kann Menschen, die in innerstädtischen Bereichen wohnen, kaum vorschreiben, welchen Autotyp sie NICHT fahren dürfen. Was ich mir aber vorstellen könnte – und was auch schon diskutiert wird –, sind Extra-Parkplätze mit höheren Gebühren für SUVs. Denn durch ihre Breite beanspruchen sie auf Parkplätzen und in Parkhäusern naturgemäß mehr Platz. Ich habe selbst schon erlebt, wie ein SUV zwei Parkplätze in einem Parkhaus besetzt. Dass man dann ein wenig mehr fürs Parken zahlen müsste, fände ich eine faire Lösung.

Viele Parkhäuser, die vor Jahrzehnten gebaut wurden, haben einfach zu enge Parkplätze, denn die Autos insgesamt sind innerhalb dieser Zeit größer geworden. Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, in Parkhäusern Extra-Etagen für SUVs und Kleintransporter zu installieren. Sicherlich gibt es heutzutage auch elektronische Sensoren, die beim Einfahren ins Parkhaus bemerken, ob sie es mit einem Kleinwagen oder einem SUV zu tun haben. Dann wäre auch eine unterschiedliche Parkgebühr im Rahmen des Möglichen. Bisher gibt es – soweit ich weiß – noch keine Statistik, ob mit SUVs mehr oder schwerere Unfälle passieren als mit anderen Autos. In Berlin sollen laut ersten Ermittlungen ein epileptischer Anfall des Fahrers ursächlich gewesen sein. So etwas kann leider immer passieren. Und auch ein Kleinwagen hat die Kraft, einen schweren Unfall mit Verletzten und Toten zu verursachen.

Mein Fazit: Höhere Steuern wegen höheren Benzinverbrauchs und damit höherer Umweltbelastung und höhere Parkgebühren aufgrund der Größe wären für mich okay, Fahrverbote lehne ich wegen der Gleichberechtigung aller Autofahrer allerdings ab.

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