Klartext: Festspiel-Absage ist eine bittere Notwendigkeit

Redakteur Christopher Göbel schreibt über die Absage der Bad Hersfelder Festspiele wegen des Coronavirus.

Das Coronavirus hat nun auch dafür gesorgt, dass die Bad Hersfelder Festspiele in diesem Sommer nicht stattfinden werden. Das ist bitter. Aber es ist auch unter den gegebenen Umständen die einzig richtige Entscheidung.

Was das allerdings bedeutet, vermag ich kaum vorauszusehen. Die Festspiele sind seit 69 Jahren ein so etablierter Teil des Stadtlebens, dass ich mir einen Sommer ohne Theater in der Stiftsruine gar nicht vorstellen kann. Von Paul Hörbiger und Lil Dagover über Mario Adorf, Volker Lechtenbrink, die kürzlich verstorbene Barbara Rütting und den ebenfalls leider verstorbenen Dieter Laser – eigentlich hat so ziemlich alles, was in der Schauspielszene Rang und Namen hat, auf den Brettern gestanden, die jeden Sommer für Theatermacher und Theaterbesucher die Welt bedeuten.

70. Bad Hersfelder Festspiele

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr, den 70. Bad Hersfelder Festspielen, macht eine Pandemie das zunichte, was von Intendant Joern Hinkel und seinem Team seit Monaten vorbereitet wurde.

Doch an den Festspielen in Bad Hersfeld hängt viel mehr, als „bloßes Theaterspiel“. Hotellerie, Gastronomie und der Einzelhandel profitieren alljährlich von den Festspielbesuchern, die zum großen Teil von weit her anreisen. Auch die Umgebung Bad Hersfelds ist Nutznießer der Festspielgäste. Dies alles wird in diesem Sommer dazu führen, dass es der regionalen Wirtschaft, die durch die Krise und allem, was damit zusammenhängt, bereits in den Seilen hängt, noch schlechter gehen wird.

Besonders hart trifft es diejenigen, die ihr Geld mit dem sommerlichen Theater verdienen. Dass Schauspieler, Requisiteure, Licht- und Tontechniker nicht unbedingt auf Rosen gebettet sind, ist unbestritten. Umso wichtiger sind die Engagements, bei denen sie ihr Können unter Beweis stellen. Bereits seit Beginn der Coronakrise sind nahezu alle kulturellen Veranstaltungen abgesagt worden. Und das bedeutet, dass die Einnahmen der Kunstschaffenden gegen Null tendieren.

Kosten, Kosten, Kosten

Und beim Theaterspiel geht es ja nicht nur um Personalkosten. Auch Rechte an den Stücken müssen erworben werden. Hinkel hatte ein Jubiläumsprogramm vorbereitet, das Lust auf mehr gemacht hat. Ich hege die Hoffnung, dass die ausgefallene Saison einfach um ein Jahr verschoben werden kann.

Ich kenne auch viele Menschen aus Bad Hersfeld, Fulda und Alsfeld, die eigentlich in diesem Sommer auf der Bühne gestanden hätten. Beispielsweise bei der Wiederaufnahme des Musicals „Emil und die Detektive“. „Was machen wir denn jetzt diesen Sommer?“, lautete die Frage eines schauspielernden Mädchens.

Ja, was machen wir diesen Sommer? Die Frage stellen sich wohl viele unter uns. Verreisen? Kaum wahrscheinlich, da niemand weiß, wie die Corona-Welt in den Sommermonaten aussehen wird. Jetzt einen Reise zu buchen, wäre ein Glücksspiel. Auf Festspiel- oder Musical-Veranstaltungen gehen oder gar mitwirken? Nicht möglich, da nahezu alles bis in den Herbst abgesagt wurde. Was aus dem „Musical Sommer Fulda“ mit „Robin Hood“ werden wird, steht ebenfalls noch in den Sternen. Ich befürchte jedoch, dass dort ebenfalls nicht der geplante Umfang gefahren werden kann.

Vorfreude auf 2021

Ich wünsche zunächst allen Beteiligten – ob Mitwirkende oder Besucher – dass sie den festspiellosen Sommer gut überstehen und die „kreative Zwangspause“ von allen effektiv genutzt wird. Ich freue mich nach dem erzwungenen Abstinenz-Jahr umso mehr darauf, was wir 2021 zu den 70. Bad Hersfelder Festspielen geboten bekommen.

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