Klartext: Früher eingreifen bei kindlichen Straftätern

Über die aktuellen kriminellen Aktivtäten von Elf- und Zwölfjährigen schreibt Redakteur Christopher Göbel.

Innerhalb kürzester Zeit kam es zu zwei Vorkommnissen, bei denen Minderjährige sexuelle Gewalt bis hin zur Vergewaltigung ausübten. Das schockt mich. Was ist denn mit unseren Kindern los? Wie kann es sein, dass Elf- und Zwölfjährige an Verbrechen beteiligt sind, die sexuell motiviert und derart grausam gegenüber anderen Menschen sind? Was treibt einen zwölfjährigen Jungen dazu, gemeinsam mit nur wenig Älteren eine junge Frau zu vergewaltigen? Der Fall aus Mühlheim an der Ruhr und ein weiterer in Herne bestimmen derzeit die Medien.

Sollte man die Strafmündigkeit von derzeit 14 Jahren auf zwölf Jahre herabsetzen? Was passiert einem Kind, das mit zwölf oder 13 Jahren ein Verbrechen begeht? Gar nichts, wenn es nach dem deutschen Rechtssystem geht. Das ist im Grunde auch richtig so, denn ein Kind sollte im Normalfall bis zum vollendeten 13. Lebensjahr noch nicht die volle Härte des Jugendstrafrechts treffen.

„Im Normalfall“ schrieb ich gerade. Für mich ist eine Vergewaltigung oder eine sexuell motivierte Straftat von so jungen Kindern kein „Normalfall“. Viel eher ist es ein Sonderfall, der auch gesonderte Maßnahmen zur Folge haben müsste. In dem Alter zwischen zwölf und 14 Jahren sind viele Kinder bereits geistig soweit entwickelt, dass sie die Folgen ihres Handelns zumindest in Teilen einschätzen können sollten. Und wer weiß, dass er durch bestimmte Handlungen ein Verbrechen begeht, der sollte nach verübter Tat auch zur Rechenschaft gezogen werden können. Von „Bestrafung“ zu reden, wäre vielleicht etwas zu stark, aber Sanktionen sollten in derartigen Sonderfällen dennoch verhängt werden dürfen.

 Es müssen nicht gleich Jugendarrest oder Sozialstunden sein. Es sollte eine sozial-pädagogische Möglichkeit geben, den straffälligen Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre Fehler erstens einzusehen und zweitens daran zu arbeiten, diese möglichst nicht zu wiederholen. Ich frage mich auch, wie diese Kinder in Mühlheim und Herne erzogen wurden. Es ist leicht, zu sagen, dass es Bulgarische Roma oder Syrer waren, die „eine andere Einstellung haben“. Meine Meinung ist, dass Kinder, die in Deutschland aufwachsen, auch die Werte vermittelt bekommen müssen, die in unserem Land gelten. Wenn die Eltern nicht fähig dazu sind, ihre Kinder so zu erziehen, wie es das Sozialsystem erwartet, dann müssen andere Hilfen her. Kindergärten und Schulen sind eine Möglichkeit, doch aufgrund der Masse der auffälligen Kinder sind Erzieher und Lehrpersonal meist gar nicht im Stande, sich intensiv um auffällige Kinder zu kümmern.

Was wichtig wäre, ist, dass straffällige Kinder, die noch unter der derzeit herrschenden Strafmündigkeit liegen, eher aufgeklärt und beschäftigt als bestraft werden. Dazu sind jedoch die Jugendamts-Mitarbeiter personell zu schwach besetzt. Grundsätzlich sollten so früh wie möglich Hilfen angeboten werden, damit sich aus einer Gruppenvergewaltigungsbeteiligung mit zwölf Jahren eben nicht die oft heraufbeschworene Verbrecherkarriere über Jugendknast bis „Santa Fu“ oder „Stammheim“ entwickeln kann. Politik, Justiz und Behörden müssten dazu an einem Strang ziehen, um Möglichkeiten zu finden, die Jugendkriminalität unter der Straffälligkeitsgrenze zu verringern – oder am besten gar nicht erst entstehen zu lassen. Sanktionen für schwere Verbrechen würden sowieso nur für Extremfälle gelten. Darum bin ich froh, dass der allergrößte Teil der Kinder in unserem Land tatsächlich Kind ist und Kind sein darf.

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