Klartext: Den Gegner in die City geholt

Redakteur Christopher Göbel fragt sich, warum ein Kaufhaus eine Amazon-Abholstation mitten in Fulda einrichtet.

Das Internet ist der größte Gegner des stationären Handels. Das oder Ähnliches hört man zumindest, wenn man sich mit Einzelhändlern unterhält. Zumindest von denen, die noch keinen eigenen Online-Shop pflegen. Sehr verwundert war ich neulich bei einem Shopping-Spaziergang, als ich im „Karstadt“ in Fuldas City plötzlich einen großen, dunklen Kasten entdeckte, auf dem „Amazon Locker“ stand. Was sollte denn das sein? Ich ging näher heran und es sah aus wie die Schließfächer der Post oder am Bahnhof. Nur kleiner. Ungewissen Sinnes verließ ich das Geschäft.

Zuhause schaute ich im Internet nach, was ein „Amazon Locker“ ist. Siehe da: Es ist eine Paketstation für Menschen, die beim riesigen Internet-Versandhändler bestellen, aber keine eigene Adresse angeben wollen. Die können sich ihre Waren ganz locker an diesen „Locker“ schicken lassen und dann abholen. Interessant, dachte ich so bei mir. In einem stationären Handel steht also ein Gerät, das den Internet-Handel unterstützt. Das verstehe wer will.

Dieser „Amazon Locker“ ist doch bestimmt nur dafür da, dass Menschen, die in der Innenstadt arbeiten und tagsüber nicht zuhause sind, ihre Bestellungen trotzdem abholen können. Dafür müssen sie dann eben nicht zur Post, sondern zum „Locker“ laufen. Damit vereinfacht der Internet-Riese es Berufstätigen, online zu shoppen und eben nicht durch die Läden ziehen zu müssen. Ich bin auch verwundert darüber, dass dieser „Locker“ erstens mitten in der Innenstadt und dann auch noch im „Karstadt“ steht. Dieses Unternehmen hat selbst einen Online-Shop. Das ist für mich so, als würde die „VR-Bank“ in ihren Filialen Geldautomaten der „Sparkasse“ aufstellen.

Dass „Amazon“ diese „Locker“ anbietet, gehört natürlich zur Strategie des US-amerikanischen Versandriesen. Erstens ist es Werbung und zweitens kann man durch diesen Service weitere Kunden animieren, ihre Waren dort zu bestellen. Wo und wie viele Steuern „Amazon“ hierzulande zahlt, fragt niemand.

Die Einzelhändler, die ihren Laden in Fulda haben, zahlen auch hier ihre Steuern. Und sie leben davon, dass Kunden ihren Waren kaufen. Bei den meisten ist kein milliardenschwerer Magnat wie Jeff Bezos im Hintergrund. Die Händler vor Ort müssen Mieten und Personal bezahlen und das durch Gewinne des Verkaufs im Laden erreichen.

Ich erinnere mich noch an den Aufschrei, als „Sommerlad“ ein neues Möbelhaus an der A7 bauen wollte. „Innenstadtrelevantes Sortiment“ war ein Argument der lokalen Händler, um sich gegen den Bau zu stemmen. Und nun hat „Karstadt“ sich mit einem Kundenservice-Gerät von „Amazon“ den Konkurrenten direkt in die Mitte der Stadt geholt.

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