Klartext: Es geht um mehr als nur die Wurst

Redakteur Christopher Göbel und seine Gedanken über den Wurst-Skandal um die Firma Wilke, der gerade die Republik beschäftigt.

Es ist wahrlich ein Skandal, was sich nach und nach im Fall „Wilke“ offenbart. Das Unternehmen aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg hatte mit Listerien verseuchte Wurst- und Fleischwaren, aber auch vegetarische Produkte und Brotaufstriche an die Läden ausgeliefert.

Mit fatalen Folgen, wie sich zeigen sollte. Bislang zwei Menschen starben, bisher 37 erkrankten nach dem Verzehr von „Wilke“-Produkten. Das Schlimme: Nicht auf allem, in dem „Wilke“ drin ist, stand auch „Wilke“ drauf. An der Fleisch- und Wursttheke wurden diese Produkte offen verkauft, bei „IKEA“ landeten sie auf den Frühstückstellern. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Wir Verbraucher müssen darauf vertrauen, dass das, was uns im Laden angeboten wird, keimfrei, sauber und nicht gesundheitsschädigend ist. Ohne dieses Urvertrauen in Lebensmittelproduktion und -handel würden wir höchstwahrscheinlich verhungern. Die Firma „Wilke“ hat nach Bekanntwerden des Skandals vorläufige Insolvenz angemeldet, deren Geschäftsführer soll auf Mallorca im eigenen Domizil weilen.

Die rund 200 Mitarbeiter wurden von seiner Stellvertreterin über die Firmenschließung – und damit den Verlust ihrer Arbeitsplätze – informiert. Das ist eine Schande, denn damit zeigt Geschäftsführer Klaus Rohloff, dass ihm seine Mitarbeiter vollkommen egal sind. Ebenso, wie der Rest der Menschheit, der seine Produkte verzehrte.

Ein Lebensmittelunternehmen muss dazu verpflichtet sein, die höchstmögliche Sicherheit bei der Produktion zu gewährleisten. Was wir essen und trinken, muss keimfrei sein, wenn es an uns verkauft wird. Inzwischen sind Fotos eines „Wilke“-Mitarbeiters aufgetaucht, die schimmelige Wurst zeigen, die zwischen vermeintlich „sauberen“ Würsten hängt. Das erregt wirklich Ekel.

Hinz unter Druck

Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz von den Grünen ist nun ebenfalls in der Pflicht. Das Ministerium soll mehr als eine Woche vor der offiziellen Warnung vom Listerien-Verdacht in „Wilke“-Produkten gewusst haben. Warum wurde gezögert? Weil Ferien waren? Weil irgendein Sachbearbeiter gepennt hat? Weil im Ministerium gehofft wurde, die Sache unter Verschluss zu halten und intern zu regeln? Man weiß es nicht, aber es ist möglich, dass Krankheiten oder gar die Todesfälle bei frühzeitiger Warnung hätten verhindert werden können.

Die Staatsanwalt ermittelt nun wegen fahrlässiger Tötung gegen „Wilke“-Geschäftsführer Rohloff. Doch könnte auch das Ministerium in Person der Ministerin für die Verzögerungstaktik belangt werden? Ganz sauber ist die Sache auf keinen Fall gelaufen, und selbst wenn Hinz nun für Aufklärung sorgen will, so geht es auch für sie um die Wurst. Das Vertrauen in die Politik hängt in unserem Land sehr stark daran, wie die Politiker in Krisensituationen reagieren und wie sie Probleme managen. Das hat Hinz in diesem Fall bisher versäumt.

Schlimm finde ich auch, dass Waren eines einzelnen Unternehmens in so vielen Produkten und unter so vielen verschiedenen Markennamen auftauchen, dass eine Rückverfolgung sehr schwierig zu sein scheint. „Wilke“ muss es wohl ganz gut gegangen sein in der Vergangenheit. Vor allem dem Geschäftsführer, denn es sollen im Werk in Nordhessen vor allem osteuropäische Angestellte beschäftigt worden sein, die weniger kosten als die deutschen Kollegen. Wenn der eigene Profit vor der Verantwortung für andere steht, dann läuft etwas ganz falsch.

Jeder Unternehmer sollte sich bewusst sein, dass seine Produkte die Standards der Sicherheit einhalten. Das gilt für Autos ebenso wie für Lebensmittel oder Spielzeug. Wer am falschen Ende vermeintlich spart, der sieht am Negativbeispiel „Wilke“, wie es enden kann. Bei Geschäftsführer Rohloff hoffentlich mindestens im Knast. Da kann er sich dann bei der Gefängnisverpflegung fragen, was in der Wurst drin ist, die ihm vorgesetzt wird.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Grippesaison startet: Wer sollte sich wann impfen lassen?

Die Grippesaison 2019 startet lokalo24 hat mit dem Gesundheitsexperten Jens Fitzenberger über die Grippeimpfung gesprochen.
Grippesaison startet: Wer sollte sich wann impfen lassen?

Dem Leben eine neue Richtung geben

Gespräch mit Robert Betz, der am 5. November in Künzell zu erleben ist
Dem Leben eine neue Richtung geben

"Drei Punkte sind immer unser Ziel"

Redaktionsgespräch mit Trainer Sedat Gören und Torjäger Dominik Rummel von der "SG Barockstadt Fulda-Lehnerz"
"Drei Punkte sind immer unser Ziel"

Klartext: Nur Bares ist Wahres?

Fulda aktuell-Redakteurin Antonia Schmidt beschäftigt sich mit dem Thema bargeldloses Bezahlen.
Klartext: Nur Bares ist Wahres?

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.