Klartext: Ei, wer hat geplaudert?

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Redakteur Christopher Göbel über Spione, anonyme Informanten und "geöffnete" Geheimnisse.

Wie fließen heutzutage Informationen? Man braucht gar keine Spionageaffäre mit "NSA" oder "Whistleblower" Edward Snowden. Man kann auch auf ganz lokaler Ebene immer wieder nur staunen, wie gewisse Dinge in die falschen Hände geraten. Die menschen dahinter haben damit im besten Falle einen Informationsvorsprung und treiben im schlimmsten Falle mit dem unrechtmäßig erworbenen Wissen Schindluder.

Heute werden Informationen nicht mehr wie zu Zeiten von Günther Guillaume per Kurzwelle, "Totem Briefkasten" oder mittels Morsecode ausgetauscht. Heute gibt es E-Mail, Cloud Computing, "Whats­app", "Facebook" und Co., um digitale Informationen von Person A zu Person B zu transferieren. Dass diese Systeme allesamt angreifbar sind, scheint vielen Menschen gar nicht bewusst zu sein.

Wer hat nicht selbst schnell per E-Mail ein Dokument an einen Bekannten geschickt, per Chat ein "Betriebsgeheimnis" weitergegeben? Wo Menschen miteinander kommunizieren, "menschelt" es. Dazu gehören zum einen die Neugier vieler, zum anderen der Triumph des "Ich-weiß-was,-was-du-nicht-weißt"-Gefühls. Fühlen wir uns anderen überlegen, wenn wir mit Informationen aufwarten können, die eigentlich geheim sein sollten?

Was treibt Manchen an, Geheimnisse zu verraten, die schwerwiegende Auswirkungen auf ein bestimmtes System haben könnten? Ist es ein – wie auch immer gestalteter – finanzieller Anreiz, der den (hypothetischen) Büroangestellten eine Akte kopieren und beispielsweise der Presse zuspielen lässt? Ist es bei kommunalen Politikern das Versprechen eines "Pöstchens", der den heimlichen Griff zum Smartphone erleichtert? Ich weiß es nicht. Die Gründe können vielfältig sein. Und im besten Falle für den – ich nenne ihn ‘mal Verräter – wird niemals eine Verbindung hergestellt.

Doch in Zeiten von E-Mail-Protokollen, Kopierern mit Speicherfunktion, Einzelverbindungsnachweisen für Telefonverbindungen und digitalen Stempeln auf allerlei elektronischen Dokumenten ließe sich eine Spur mit Sicherheit nahezu lückenlos verfolgen. Wir Journalisten müssen offiziell unsere Quellen nicht preisgeben ("Quellen-" oder "Informantenschutz"). Doch auch Redaktionen sind vor Staatsanwälten nicht gefeit – ich erinnere an die (geplante) Durchsuchungsaktion der Redaktionsräume des "Darmstädter Echo"vor wenigen Wochen.

Auch unsere Redaktion erhält gelegentlich anonyme Anrufe mit "brandheißen Informationen". Wenn sich diese als wahr erweisen, gibt es eine Geschichte. Wenn nicht, dann nicht. Das verstehen wir unter seriösem Journalismus.

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