Klartext: Geschmackloser Werbespot von VW

Ein rassistisches Werbevideo von VW kursiert im Internet und sorgt für Aufregung.

„VW“ ist in aller Munde. Man hat den Eindruck, als gäbe es seit 2015 nur negative Schlagzeilen. Der Bundesgerichtshof hat nun ein Urteil gefällt: Wegen der unerlaubten Abschalteinrichtung in Diesel-Fahrzeugen schuldet „VW“ seinen Kunden nun Schadensersatz. Doch als würde dies noch nicht reichen, setzt „Volkswagen“ noch einen drauf.

Seit einigen Tagen kursiert ein Werbevideo des Autoherstellers mit rassistischen Inhalten im Internet. Ich frage mich ernsthaft, ob es ein Trend geworden ist, so schamlos zu sein. Große Konzerne, denen angeblich intern und durch mangelhafte Überprüfung von Werbespots oder Posts im Internet solche Fehler unterlaufen. Solch ein Beitrag sorgt für Empörung und sofort danach erscheint eine öffentliche Entschuldigung.

Der Konzern bekommt seine Aufmerksamkeit und muss keine weiteren Konsequenzen fürchten. Auch die schwedische Modekette „H&M“, die Pflegemarke „Dove“ oder der Smoothie-Hersteller „True Fruits“ sorgten in den vergangenen Jahren für Empörung durch rassistische Werbung. Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der es normal ist, gegen bestimmte Ethnien zu hetzen oder sie gar in Werbespots zu verspotten? Ich sage: Es reicht.

Es sind schon lange keine Ausrutscher oder Versehen und auch keine Missverständnisse mehr. Es ist pure Absicht – und das sollte Konsequenzen haben. Das wirklich Schlimme an dieser Sache ist, dass für betroffene Menschen Rassismus und fremdenfeindliche Kommentare Alltag sind. Jene, die davon nicht betroffen sind, bemerken verletzende Kommentare oft gar nicht.

So liegt die Macht der Diskriminierung im Subtilen. Und an dieser Stelle ist es wichtig, dass wir zuhören, unsere Ohren und Herzen öffnen, für jene, die von ihren Erfahrungen berichten und sie dabei unterstützen, dass Rassismus irgendwann keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft hat. Denn jeder geschmacklose Witz wurde bereits ausgesprochen und für Betroffene sind Werbespots wie der von „VW“ nichts Neues mehr.

Es ist traurig, dass wir im Jahr 2020 noch darüber sprechen und erklären müssen, warum solch ein Verhalten geschmacklos ist. Offen zu Tage tretender Rassismus wie in dieser Werbung ist leicht zu erkennen und bleibt nichtsdestotrotz viel zu oft in der gesellschaftlichen Mitte verschwiegen. Innerlicher Widerspruch reicht nicht aus, weil die Verletzungen, die Menschen durch Rassismus erleiden, durch Schweigen mitgetragen werden. Dieses Thema betrifft schon lange nicht mehr einen Einzelnen, sondern uns alle. Jeder sollte sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander einsetzen – das Land, die Medien und jeder einzelne von uns.

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