Klartext: Wer hat’s gelesen?

Der britische Verleger Peter McGee wollte  Auszüge aus dem Machwerk "Mein Kampf" von Adolf Hitler veröffentlichen. Absätze mit Hetzp

Der britische Verleger Peter McGee wollte  Auszüge aus dem Machwerk "Mein Kampf" von Adolf Hitler veröffentlichen. Absätze mit Hetzparolen sollten darin geschwärzt und der Text kommentiert sein. Das klingt erstmal vernünftig. Aber was will McGee damit erreichen? Seinen eigenen Worten nach will er die Menschen aufklären – aber wen muss man heute mit einer antisemitischen Hetzschrift auf rund 800 Seiten noch aufklären? Vor allem: Worüber aufklären?

Aber der Plan ist vorerst sowieso gescheitert, denn das das Landgericht München I hat die Veröffentlichung in dieser Woche verboten – nach einem Antrag auf einstweilige Verfügung des Bayerischen Finanzministeriums, das die Rechte am Originaltext hat. Und das wacht mit Argusaugen darüber, das kein Verlag "Mein Kampf" auf den Markt bringt.

Zwar stand das Machwerk, das Hitler wohl während seiner Gefangenschaft in Landsberg selbst in die Schreibmaschine getippt hatte, während des Nationalsozialismus in nahezu jedem Bücherregal – doch gelesen haben wollte es angeblich niemand. Bei Hochzeiten während der Nazi-Herrschaft wurde auf "Mein Kampf" geschworen – nicht auf die Bibel. Und doch wissen die wenigsten, welche "liter-arischen" Ergüsse Hitler eigentlich ausgeschüttetet hat.

Wer heute Zugang zu dem Pamphlet bekommen möchte, kann dies in öffentlichen Bibliotheken, im Internet, bei Online-Buchhändlern und in Antiquariaten tun. Mit welchen Beweggründen, sei dahingestellt. Ich denke, dass der Großteil der Bundesdeutschen heute reif ist, sich sachlich und vernünftig mit diesem Buch auseinanderzusetzen. Dass Hitlers rassistische Parolen und seine eigene Selbstüberschätzung heute noch ein erhöhtes Gefahrenpotenzial für rechte Gewalt bergen, glaube ich nicht. Rechtsradikale Gruppierungen brauchen keine Weltherrschafts-Fantasien, um ihre Sicht der Dinge zu "erklären". Das gefährliche Gedankengut geistert grauenvollerweise durch deren Hirne – ob mit oder ohne Hitlers Häme in gedruckter Form.

Am 1. Januar 2016 – 70 Jahre nach dem Tod des Unmenschen – darf das vollständige Machwerk laut Urheberrecht neu aufgelegt werden. Werden dann einige Verlage versuchen, am "Kampf"-Kuchen teilzuhaben? Wer wird das Buch in einer Neuauflage kaufen? Werden die Käufer sich schämen, wenn sie damit an der Kasse stehen und es wie einen Schundroman schamhaft unter anderen Druckprodukten zu verbergen suchen?

Ich weiß jedenfalls, dass ich es niemals haben will – denn Hitler ist zum Glück Vergangenheit – und "Mein Kampf" mit Sicherheit nicht lesenswert! Wir sollten und lieber die Werke der großen Literaten der vergangenen Jahrtausende zu Gemüte führen, die uns auch heute noch mit ihren Büchern positiv bewegen können.

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