Klartext: Ein herber Schlag für die Belegschaft

Kommentar von Redakteur Christopher Göbel zur Ankündigung von "Goodyear", trotz Investitionen Stellen zu streichen.

Maschinen nehmen uns unsere Arbeit weg. Diese Angst, die seit dem Beginn der Industrialisierung bei vielen Arbeitnehmern umgeht, scheint nun in Fulda und Hanau traurige Realität zu werden. Beim ersten Hören klingt es etwas komisch: „Goodyear“ investiert 106 Millionen Euro in neue Technik, baut dafür aber 1.100 Stellen ab. Die Frage, ob Maschinen nun Menschen ersetzen, ist in diesem Fall nicht von der Hand zu weisen.

Als Traditionsunternehmen in Fulda, das sich in Teilbereichen sogar mit dem Namen der Stadt präsentiert, ist das ein herber Schlag für die in der Region betroffenen knapp 500 Arbeitnehmer. Wenn der Geschäftsführungs-Vorsitzende Jürgen Titz im Zuge der Neuausrichtung des Unternehmens von einem „Bekenntnis zum Produktionsstandort Deutschland“ spricht, muss das wie Hohn in den Ohren derjenigen klingen, die nun um ihren Job bangen müssen. Natürlich muss sich ein Unternehmen der Zeit anpassen und auf den Märkten Gewinne erzielen, die einen Fortbestand gewährleisten.

Aber als Arbeitnehmer zu erfahren, dass 106 Millionen in eine Modernisierung gesteckt werden, aber der eigene Arbeitsplatz dadurch flöten geht, muss ein Schlag in die Magengrube sein. Die Überlegungen der Geschäftsleitung, einen „sozialverträglichen Abbau“ gestalten zu wollen, klingen ehrenwert. Aber wird es auch so kommen? Ich erinnere mich an die Zeit, als die „Deutsche Bundespost“ privatisiert wurde. Da wurden auch zahlreiche ehemalige Postbeamte in Auffanggesellschaften untergebracht und waren dort zum großen Teil zwar beschäftigt, aber nicht mit den Aufgaben, die sie gelernt hatten.

Der Unterschied hier ist, dass „Goodyear“ ein Wirtschaftsunternehmen ist. Wie sicher sind da die Netze, um die entlassenen Mitarbeiter aufzufangen? Erschwerend für den Wirtschaftsstandort Fulda könnte auch die mögliche Fusion der „Deutschen Bank“ und der „Commerzbank“ sein. Beide Geldinstitute haben Standorte in Fulda. Eine Fusion hat auch meist den Effekt, dass Mitarbeiter freigesetzt werden. Was sich genau mit den bereits fusionierten Kaufhäusern „Karstadt“ und „Galeria Kaufhof“ zukünftig in Fulda tun wird, steht auch in den Sternen.

Sicher ist, dass sich die Politik im Rahmen ihrer Möglichkeiten dafür einsetzen muss, die Region Fulda trotz drohender Vorhaben von Unternehmen weiter zu stützen und die Rahmenbedingungen zu schaffen, Arbeitsplätze weitestgehend zu erhalten oder neue zu schaffen. Landrat Bernd Woide und Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld haben jedenfalls bereits angekündigt, sich für die Mitarbeiter einzusetzen

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