Klartext: Heute geschlossen - im Online-Handel ?!?

Zu einer (Schnaps-)Idee der niedersächsischen Grünen äußert sich Redakteur Christopher Göbel im Klartext-Kommentar.

Wahlkampf treibt manchmal erstaunliche Blüten. Gerade wieder in Niedersachsen. Dort haben die Grünen im Landtagswahlkampf geäußert, dass sie die Möglichkeiten von Online-Shopping an Sonntagen einschränken möchten. Mir stellt sich die Frage, wie sie das machen wollen. Ich meine, wenn die NPD bei Kommunalwahlen einst forderte, den Euro abzuschaffen und die D-Mark wieder einzuführen, dann wusste man ja, dass da wenig Hirn zu utopischen Wünschen geführt hatte. Aber die Grünen sind an sich eine Partei, die weitestgehend vernünftig argumentiert.

Doch wie soll in Niedersachsen der sonntägliche Online-Handel eingedämmt werden? Wollen die Grünen allen niedersächsischen Internetnutzern sonntags den Strom abstellen? Oder wie in China oder Nordkorea bestimmte Shoppingseiten sonntags landesrechtlich sperren – also zensieren – lassen?

Wahlkampf okay – aber Fantastereien ins Wahlprogramm aufnehmen trägt nicht unbedingt dazu bei, die Glaubwürdigkeit einer Partei zu erhöhen. Das Internet und die Nutzung desselben ist eine Entwicklung, die seit der Erfindung des Computers Einzug in unsere Gesellschaft gehalten hat. Vielleicht mit Fehlern, vielleicht mit nicht beschlossenen Gesetzen. Und als es soweit war und Gesetze gemacht werden sollten, war es zu spät.

Aber der Online-Handel ist inzwischen so fest in den Menschen verwurzelt, dass eine Einschränkung – und sei es nur in der nicht ausgeführten Auftragsbearbeitung an Sonn- und Feiertagen – nicht möglich ist. Das Internet ist ein weltumspannendes Netzwerk. Man kann es nicht abstellen oder zeitlich reglementieren. Man kann einem Online-Händler in Wisconsin nicht verbieten, Sonntags Waren an deutsche Besteller zu verkaufen. Wer glaubt, dass so etwas möglich sei, der kann nicht von dieser Welt sein. Oder zumindest sehr, sehr weltfremd.

Die einzige Chance für den stationären Handel, also die Geschäfte rund um den Kirchturm in unseren Städten und Gemeinden, dem Online-Handel etwas entgegenzusetzen, sind genau die verkaufsoffenen Sonntage, die in der Region immer gut besucht sind. Die Händler brauchen diese Tage, denn so viele Menschen wie am verkaufsoffenen Sonntag kommen in so manches Geschäft die ganze Woche über nicht.

Liebe Grüne in Niedersachsen, Ihr stimmt dieses Wochenende über Euer Landtagswahlprogramm ab. Ich würde mir für Euch wünschen, dass Ihr den Passus mit dem Sonntagsshopping herausnehmt. Denn genauso wenig wie die D-Mark wiederkommt, werden die Online-Shops dieser Welt sonntags ein „Heute geschlossen“-Bild auf ihre Website stellen.

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