Klartext: Mia san hia!

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Oktoberfeste liegen absolut im Trend.

Wer dieser Tage eine waschechte Hessin oder ein g’standenes hessisches Mannsbuid is’, zwängt sich in a Dirndl oder schlüpft in die Krachlederne und besucht mit seinem Gspusi zur Kirmeszeit eine der zahlreichen "Wies’n" oder traditionellen "Oktoberfeste" in Osthessen. Die durchaus nachvollziehbare Begeisterung der Hessen für ihr südliches Nachbarland kommt nicht von ungefähr. Schon 1866 kämpften das Kurfürstentum Hessen, das Großherzogtum Hessen und die Freie Stadt Frankfurt an der Seite Österreichs und des Königreichs Bayern gegen die feierunlustigen Preussen.

So erscheint es heute überhaupt nicht abwegig, wenn der stolze, wettergegerbte, keltisch-germanische Stamm der Chatten (Hessen) für zwei Wochen seine rot-weißen Landesfarben und seine Rhöner, Hersfelder oder Schlitzerländer Tracht gegen blau-weiße G’schicht’n und das FC Bayern-Trikot eintauscht, den Äppler durch Weißbier ersetzt und sich emsig im Haferlschuaplattler übt. Unter den Büsten von König Seehofer I., dem "schwarzen Horst", und von Volksfreund Prinz Ulrich Hoeneß III., dem "Unersättlichen", werden im V.I.P.-Zelt dann bairisch-regionaltypische Getränke und Gerichte kredenzt: oberfränkisches "Kulmbacher alkoholfrei", thüringische und fränkische (Rost)Bratwurst, Schweineschnitzel "Wiener Art", Radieserl, Gurkerln, Zwieberln und der in Mannheim erfundene Leberkas’.

Die Sehnsucht nach dem erfolgsverwöhnten Süden und nach seiner unbeschwerten, fröhlich-lockeren Lebensart wird auch mich ganz bestimmt  in ein nach Lebkuchenherz und Stockerlfisch duftendes Festzelt locken. Ich werde dort freudetrunken tief in den Maßkrug und die prallen Dekolletées fescher Madl’n schauen und völlig losgelöst zu Volksmusik auf den Biertischen tanzen. Wenn ich im Kopf dann wieder klar bin, führe ich unverbindliche Gespräche mit allen oder flirte bis zum Fassanstich und – falls ich nicht zu müde sein sollte – auch danach mit herzhaft lachenden Damen. Hier auf dem Oktoberfest, hier spielt die Musi, hier spielt das Leben, hier kennt man sich, hier schätzt man sich. Und allen, die ihr kulturelles Erbe oder ihre Tradition, gefährdet oder gar verraten sehen, sei gsogdd: "Jo mei, du Sau-Preiß, damischer, hob di ned so und leg di niada!"

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