Klartext: Hitzewallungen überall

Redakteur Christopher Göbel macht sich Gedanken darüber, was die wochenlange Gluthitze in Osthessen mit Menschen, Tieren und Umwelt macht.

Die für unsere Breiten unüblich hohen Temperaturen teilen das Land in zwei Lager: Die einen lieben das Sonnenbaden, die anderen würden sich am liebsten im Keller verkriechen. Nachdem nun die Sommerferien vorbei sind, geht für die Berufstätigen unter uns weder das eine noch das andere. Viele hat der Alltag wieder und glücklich darf sich derjenige schätzen, der am Arbeitsplatz mit Klimaanlage der Gluthitze entfliehen kann.

Ich bin eher ein Sommerfan und genieße größtenteils, dass es nicht regnet. Dass selbst ein kurzer Fußweg schweißtreibend ist, stört mich dabei weniger. Die Landwirte jedoch tun mir leid, denn die anhaltende Trockenheit stellt die Bauern vor Probleme. Wir berichteten in unserer vergangenen Ausgabe über die Situation in Osthessen.

Mehr Gereiztheit unter den Menschen?

Die Hitze hat noch einen Nachteil: Auch wenn es eher ein Gefühl als eine bewiesene Tatsache ist, so scheint die Glut manche Zeitgenossen aggressiver zu machen. Die Stimmung in manchen Geschäften wirkt gereizt, viele scheinen genervt, wenn sie nicht sofort das bekommen, wonach sie im Laden suchen. Manch einer ist sogar im Supermarkt auf der Jagd nach einem Ventilator – auch wenn der dort gar nicht im Sortiment ist. In unserem Bürogebäude traf ich neulich die Mitarbeiterin einer anderen Firma, die ihre Mittagspause in ihrem Auto in der Tiefgarage verbrachte. Findige Idee, wenn man keine Klimaanlage im Büro hat.

Neulich beim Tierarzt kam ein Paar mit einem hechelnden Hund ins Wartezimmer gerannt. Wie ich mitbekommen habe, hatten sie das Tier im Kofferraum vergessen. In der jetzigen Hochphase des Sommers sollte man allerdings bedenken, dass Autos sehr schnell zu Todesfallen für Kinder und Tiere werden können. Soweit ich mitbekommen habe, ging des dem Hund nach Infusion und kühler Dusche wieder besser.

Wenn ich durch Parks schlendere, dann scheint es bereits Herbst zu sein. Vertrocknete, braune Blätter liegen allerorten herum und auch die ehemals grünen Wiesen sind stoppelig geworden. Doch wie soll man als Hobbygärtner handeln? Rasensprengen erhöht den Trinkwasserverbrauch, aber die Behörden rufen zum Wassersparen auf. Die Entnahme von Wasser aus Flüssen, Bächen und Seen ist vielerorts verboten und die Regentonnen an den heimischen Dachrinnen leeren sich von Tag zu Tag. Es wird in manchen Gemeinden sogar dazu aufgerufen, die Bäume mit Trinkwasser zu gießen – ein Humbug, wie ich finde.

Neue Klimaverhältnisse

Die Natur stellt sich immer auf das ein, was Erde und Sonne zu bieten haben. Das geht nicht von jetzt auf gleich, aber wenn das passiert, was Wetterspezialisten befürchten, dann werden sich auch Mittel- und Nordeuropas Flora, Fauna und nicht zuletzt die Bevölkerung an die neuen Klimaverhältnisse gewöhnen (müssen). Rund um den Äquator und bis ins südliche Europa sind lange, heiße Sommer normal. Und auch dort wachsen Pflanzen, leben Menschen und Tiere.

Ich habe Unverständnis gegenüber Menschen, die gerade jetzt brennende Zigarettenkippen aus dem Autofenstern oder sonstwo in die Natur werfen. Auch achtlos weggeworfene Flaschen können wie ein  Brennglas wirken und die trockene Natur in kürzester Zeit in ein Flammeninferno verwandeln. Höchste Vorsicht ist also geboten. Der gesunde Menschenverstand sollte einem sagen, was man im Moment lieber sein lassen sollte.

Nach der verkorksten Sommersaison 2017 freuen sich die Freibäder in diesem Jahr über besten Zuspruch. Eisverkäufer dürften auch nicht über mangelnden Absatz klagen und Straßencafés sehe ich hier und andernorts auch immer gut besetzt. Das jetzige Wetter ist für Osthessen zwar extrem, aber wir Menschen müssen damit zurechtkommen. Denn es ist ein Glück, dass niemand das Wetter bestimmen kann. Sommerfans werden in diesem Jahr jedenfalls reicher bedacht als Kälte-Freaks. Ich jedenfalls bin nicht erpicht darauf, Rudi Carrells „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ singen zu müssen.

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