Klartext: Im Pandemie-Hamsterrad

Redakteur Christopher Göbel, Fulda aktuell
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Christopher Göbel

Die erneute Lockdown-Verlängerung und weoter aktuelle Themen im Kommentar von Christopher Göbel.

Und wieder wurde eine Lockdown-Verlängerung beschlossen. So langsam finde ich dieses 14-Tage-Gehangele unerträglich. Warum beschließt das Bundeskabinett nicht mal etwas, was uns Bürgern Hoffnung gibt? Für mich ist dieses ständige Verlängern um zwei, dieses Mal um drei Wochen, nervig. Wenn es nach mir ginge, dann hätte die Runde bereits Anfang des Jahres einen Lockdown bis Ostern beschließen sollen – mit der Möglichkeit, bei Besserung der Lage, also niedrigen Inzidenzwerten, Lockerungen früher zuzulassen. Wir freuen uns doch auch darüber, wenn uns per E-Mail ein Paket für Donnerstag angekündigt wird, es aber schon am Dienstag ankommt. Aus psychologischer Sicht, soweit ich das als Laie sagen kann, freuen wir uns eher darüber, dass etwas Schönes früher passiert, als darüber, wenn etwas immer wieder verschoben wird. In diesem Fall die Öffnung des öffentlichen Lebens.

Unter der Corona-Pandemie hat eigentlich jeder zu leiden. Geschäftsinhaber, Gastronomen, Hoteliers und deren Angestellte werden immer weiter ins Abseits geschoben, die angekündigten Hilfen fließen nur zögerlich und die Impfstrategie des Bundes funktioniert auch nicht, wie sie sollte. Plötzlich finden sich viele Berufsgruppen wichtig und müssen natürlich vorrangig geimpft werden.

Komisch, dass noch keiner auf die Idee gekommen ist, dass Journalisten, die häufig Termine wahrnehmen und auf viele fremde Menschen treffen, eigentlich auch möglichst schnell geimpft werden sollten! *Ironie aus*

Das Unwort des Jahres 2021 könnte „Impferschleichung“ lauten. Mir fallen da einige Hollywood-Katastrophenfilme ein, in denen zwar einer immer der uneigennützige Held ist, aber alle anderen in Extremsituationen zu reinen Egoisten werden. Wer sich die Corona-Impfung erschleicht, gehört für mich zu den Egoisten – wie zwei Klinikleiter in Bad Wildungen. Dennoch finde ich Ideen, nur noch Geimpfte in Konzerte, Flugzeuge oder sonstwohin einzulassen, völlig daneben. Was wir gerade auf keinen Fall brauchen, ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Eigentlich hätte ich meinen Klartext in dieser Woche wieder im Büttenreden-Format verfassen können. Denn wir wären gerade mitten in der heißen Phase des Karnevals. Dass viele Karnevalisten der Region ihre Energie in den Dienst der guten Sache stellen, freut mich sehr.

Ich fürchte, unser Leben besteht seit rund einem Jahr aus Sehnsucht. Sehnsucht nach Normalität. Danach, in ein Café oder Restaurant zu gehen, in den Läden vor Ort zu stöbern, Reisen und Familienfeiern zu planen, Freunde zu treffen, mit den Großeltern an einem Tisch zu sitzen, Kunst und Kultur zu erleben, die Kollegen in der Firma alle wiederzusehen ... und vielem mehr.

Aber bis dahin ist es noch ein weiter und langer Weg. Trotz aller Sehnsüchte müssen wir ihn gemeinsam gehen. Ob Maßnahmen wie der immer wieder verlängerte Lockdown etwas bringen, wissen wir immer noch nicht sicher. Die Zahlen deuten allerdings darauf hin. Hoffen wir das Beste und seien wir vernünftig – auch wenn es manchmal schwer fällt.

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