Klartext: Kein Maulkorb!

+

Unser Redakteur Hans-Peter Ehrensberger äußert sich zu Joachim Gauck und seiner Kritik an der Linken.

25 Jahre ist es her, dass die Mauer fiel, dass sich Menschen aus Ost und West an der nun offenen innerdeutschen Grenze freudetrunken in den Armen lagen. 25 Jahre ist es allerdings auch schon her, dass ehemalige Stasi-Täter, spätere PDS-Funktionäre und nun Genossen der Nachfolgepartei der Linken die DDR-Geschichte zu relativieren, ja schön zu reden versuchen. "Alles gar nicht so schlimm", so der Grundtenor ihrer (durch nichts zu rechtfertigenden) Rechtfertigungsversuche.

Es starben durch Minen, Schüsse und Selbstschussanlagen hunderte Menschen, "nur" weil sie von Ost nach West und nicht länger eingesperrt sein mochten. Es wurden Kinder zwangsadoptiert, weil ihre Eltern ausreisen wollten.  Es gab eine lückenlose Überwachung und Bespitzelung, selbst im engsten Familienkreis. Und freie und geheime Wahlen, demokratische Gesellschaftsstrukturen und eine unabhängige Presse gab es schon gar nicht. Die DDR war eine Diktatur, ein Unrechtsstaat. Und das darf man auch so sagen. Diese Recht nehme ich mir heraus, dieses Recht steht auch – und gerade (!) – dem Bundespräsidenten zu. Zumal Joachim Gauck unter diesem Regime zu leiden hatte, seine abartigen Auswüchse  am eigenen Leib zu spüren bekam. Und gerade deshalb, nicht zuletzt aus eigener schmerzlicher Erfahrung, darf, sollte, ja muss sich der höchste Repräsentant unseres Staates zu gesellschaftspolitischen Themen äußern.

Ihm steht ohne jede Einschränkung das Recht zu, sein Befremden darüber zu bekunden, dass sich 25 Jahre nach dem Fall der Mauer erstmals mit Bodo Ramelow in Thüringen ein Linker anschickt, Ministerpräsident zu werden. Und da wird, da darf sich Gauck  von linken Neo-Revoluzzern wie Katja Kipping und Bernd Riexinger nicht den Mund verbieten lassen. Gaucks mahnende Worte haben nichts mit angeblich fehlendem Fingerspitzengefühl und mangelndem diplomatischen Geschick zu tun – es ist die Wahrheit. Und die darf, die muss, die kann man in der demokratischen und pluralistischen Gesellschaft und Parteienlandschaft der Bundesesrepublik aus- und ansprechen. Das Amt des Bundespräsidenten ist keinesfalls beschädigt sondern vielmehr gestärkt worden, Herr Riexinger, Frau Kipping. Die Linke wird diesen kritischen Präsidenten ertragen müssen.  Hier lässt sich niemand einen Maulkorb anlegen wie in der früheren DDR.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Webcam im Kinderzimmer: Neue Wege der Kinder-Psychotherapie in der Coronakrise

Julia Schultheiß-Göller ist in Fulda niedergelassene Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche und hat in der Krise neue Möglichkeiten gefunden, ihre Patienten …
Webcam im Kinderzimmer: Neue Wege der Kinder-Psychotherapie in der Coronakrise

Was macht die Coronakrise mit uns Menschen? Psychologe gibt Antworten

Wie bewältigen wir diese besondere Situation? Fragen an den Fuldaer Diplom-Psychologen, Coach und Supervisor Joachim Enders
Was macht die Coronakrise mit uns Menschen? Psychologe gibt Antworten

22-Jähriger verursacht ohne Führerschein und unter Alkoholeinfluss Verkehrsunfall

Fulda. Am Samstag ereignete sich um 1.45 Uhr auf der B 27 von Fulda kommend in Höhe der Abfahrt Löschenrod ein Verkehrsunfall, bei dem es keine Verletzten jedoch …
22-Jähriger verursacht ohne Führerschein und unter Alkoholeinfluss Verkehrsunfall

Verhalten in Coronakrise: Petersberger Fachanwalt gibt Tipps für Vermieter und Mieter

Frank Hartmann zu den Auswirkungen auf Mietverhältnisse und Wohnungseigentümergemeinschaften in der aktuellen Coronakrise
Verhalten in Coronakrise: Petersberger Fachanwalt gibt Tipps für Vermieter und Mieter

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.