Klartext: Sie ist kein Opfer

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Alice Schwarzer und andere Steuersünder ...

Wenn moralische Instanzen – seien es selbst ernannte oder tatsächliche – fehlgehen, dann ist der öffentliche Aufschrei besonders groß. Wenn es dann noch solche polarisierende Menschen sind wie Alice Schwarzer, dann braucht sich besagte Dame nicht zu wundern, dass ihr, die sich seit Jahrzehnten als Sauberfrau und Kämpferin um jeden Preis präsentiert und inszeniert, nun heftiger Gegenwind ins Angesicht bläst.

Erstaunlich ist Schwarzers Ausrede für das in den 80-er Jahren angelegte Schwarzgeldkonto: Die Hetze gegen sie habe damals solche Ausmaße angenommen, dass sie befürchetet habe, ins Ausland gehen zu müssen. Ach so – wer Deutschland verlässt, dessen legale Konten werden also sofort zum Freiwild für Staat und Banken? Und bitte: Sie stellt sich als Opfer dar, während Millionen Menschen aus Ländern fliehen (müssen), die wirklich all ihr Hab und Gut zurücklassen müssen? Das zeugt wieder einmal von Alice Schwarzers verquerer Selbstwahrnehmung.

Doch Schwarzer befindet sich in einem illustren Kreis. Von Hoeneß, Kulturstaatssekretär André Schmitz, Ex-"Zeit"-Herausgeber Theo Sommer, Ex-"Post"-Chef Klaus Zumwinkel oder Schlagerbarde Freddy Quinn. Alle bedauerten sie nach Bekanntwerden ihrer Steuersünden, fühlten sich als Opfer, spielten die reumütigen Büßer, die ihre Steuerschuld ja nachträglich bezahlt haben. Nun ja, was bleibt und bliebe ihnen anderes übrig? Nichts. Denn die öffentliche Wut war schon groß genug.

Schlimm finde ich, dass wir durchschnittlichen Steuerzahler schon ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir in unserer Steuererklärung die Kilometer zum Arbeitsstätte aufrunden, während die "Großkopferten" Hunderttausende auf die niederländischen Antillen oder in die Schweiz transferieren. Und wenn sie sich dann selbst anzeigen, nicht einmal Strafe befürchten müssen. Da ist die Bundesregierung gefordert, dass mit einer Nachzahlung nicht alles wieder im Lot ist. Geld scheint unserem Staat wichtiger zu sein als Gerechtigkeit. Das ist schade – sehr schade. Wer betrügt, muss dafür gradestehen. Andere gehen für solche Taten ins Gefängnis. Das würde so manchen "Promi" sicherlich kurieren und vom hohen Ross holen. Aber soweit wird es leider nicht kommen. Wenigstens braucht Alice Schwarzer nicht zurückzutreten – denn sie hat kein öffentliches Amt. Aber eines ist sie gewiss nicht: Ein Opfer.

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