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Klartext: Kein Patentrezept

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Von: Christopher Göbel

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Ich habe schon eine gute Idee für das nächste "Unwort des Jahres": "Betreuungsgeld". So wie das Wort-Ungetüm ist auch das, wa

Ich habe schon eine gute Idee für das nächste "Unwort des Jahres": "Betreuungsgeld". So wie das Wort-Ungetüm ist auch das, was dahinter steht, zumindest diskussionswürdig. Kurz gesagt: Eltern, die ihre bis zu drei Jahre alten Kinder zuhause aufziehen statt sie in einer Kinderkrippe unterzubringen, sollen laut CSU monatlich 150 Euro vom Staat bekommen. Sowohl in den Reihen der CDU als auch bei der Opposition regte sich Widerstand gegen das schnell als "Herdprämie" verschrieene Betreuungsgeld. Zwar hat Merkel kürzlich gesagt, dass das Betreuungsgeld kommen werde, aber ich bin sicher, dass das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch lange nicht gesprochen ist.

Es gibt mit Sicherheit kein Patentrezept, ob Kinder bis zum Kindergartenalter sich allein mit den Eltern oder auch nur einem Elternteil besser entwickeln als in einer Kinderkrippe, in der schon früh soziale Kontakte entstehen.

Meine Meinung ist, dass es wichtig für Kinder ist, früh in Kontakt mit Gleichaltrigen zu kommen. Bei meiner  –  inzwischen fünf Jahre alten – Tochter habe ich festgestellt, dass sie heute ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten an den Tag legt. Sie war zwar in keiner Kinderkrippe, aber berufsbedingt schon frühzeitig stundenweise mit anderen Kindern bei Tageseltern und seit ihrem zweiten Geburtstag im Kindergarten. An ihrer Entwicklung sehe ich, dass diese Entscheidung für sie die richtige war. Allerdings kann ich nicht sagen, wie meine Tochter heute wäre, hätte ich mein Kind drei Jahre lang zu Hause betreut. Da Kinder Individuen sind, kann für das eine Dieses, für ein anderes Jenes förderlich sein.

Was mich am Betreuungsgeld besonders stört, ist die derzeitige Diskussion darum, dass Hartz-VI-Beziehern das Geld als Einkommen angerechnet werden soll, sie de facto also nicht mehr Geld für die Kinderbetreuung in der Tasche hätten. Die Mutter eines Sohnes und gleichzeitig Gattin eines gut verdienenden Managers erhielte die 150 Euro sozusagen "bar auf die Kralle" – wäre aber gar nicht darauf angewiesen. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Und nicht zuletzt: Wer soll denn die dafür benötigten geschätzten Milliarden aufbringen? Besser wären die öffentlichen Gelder in mehr Kinderkrippen und qualifiziertes Personal investiert – und nicht in ein unkalkulierbares und ungerechtes Betreuungsgeld, bei dem die Gleichbehandlung aller Bürger mehr als aufgeweicht wird.

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