Klartext: Kinderbücher in der Kritik

Durch stereotype Darstellungen, können Kinder verunsichert werden. Sind also wirklich alle Kinderbücher noch zeitgemäß?

„Jim Knopf“ musste bei seinen Abenteuern gegen Scheinriesen und böse Drachen kämpfen. Und auch „Pipi Langstrumpf“ ist für viele Menschen eine Kindheitsheldin.Doch sind diese Bücher überhaupt noch zeitgemäß?

Immer wieder kochen Diskussionen hoch um offensichtlichen oder unterschwelligen Rassismus in Kinderbüchern. Kritiker bemängeln die mitunter stereotype Darstellung des kleinen afrikanischen Jungen Jim. Und auch Pipi Langstrumpf, hinterließ deutliche Spuren. Immer wieder fällt in den Büchern von Astrid Lindgren das sogenannte N-Wort. Die Verwendung dieses Begriffs, ist eng mit der Geschichte von Kolonialismus, Sklaverei und Rassentrennung verwoben und galt und gilt immer noch als Abwertung eines Menschen. Ein Begriff der einen anderen beleidigt und abwertet, ist aber in meinen Augen gar nicht diskutabel und sollte schlichtweg nicht verwendet werden.

Ich habe einmal zwei Zitate aus den „Pipi Langstrumpf“-Werken heraus gesucht, die deutlicher nicht zeigen können, dass in unserer heutigen multikulturellen Gesellschaft solche Bücher nicht mehr vorgelesen werden sollten. „Ja, Lügen ist sehr hässlich‘, sagt Pipi noch trauriger. […] Und übrigens, […], will ich euch sagen, dass es im Kongo keinen einzigen Menschen gibt der die Wahrheit sagt. Sie lügen den ganzen Tag.“

Und auch das zweite Zitat macht das Ganze nicht besser: „N-Prinzessin, das ist kein schlechter Beruf für jemanden, der so wenig Schulbildung hat wie ich.“ In der Gesamtschau werden dunkelhäutige Kinder als lügende, primitive Figuren gezeigt.

Doch die wichtigste Frage ist: Was macht es mit Kindern? Ihnen wird ein Machtverhältnis vermittelt, das Weiße über schwarze Menschen stellt. Ganz abgesehen von den Kindern, die durch solche Passagen ein Gefühl von Andersartigkeit und Minderwertigkeit vermittelt bekommen.

So sollte sich aber niemand fühlen müssen, und schon gar nicht ein Kind. Natürlich gibt es Stimmen, die auf ihre alten Bücher beharren und die Diskussion nicht nachvollziehen können, so wie Susanne Eisenmann, Kultusministerin des Landes Baden-Württemberg. Sie scheint von den abfälligen Bemerkungen allerdings auch nicht betroffen zu sein.

In der Zeit, in der die genannten Bücher entstanden sind, waren die Begrifflichkeiten wohl zeitgemäß. Heute sind sie es jedoch nicht mehr. Diese Werke, sollten der Vergangenheit angehören. In den heutigen Kindergärten haben sie nichts mehr zu suchen. Ich blicke lieber in eine Zukunft ohne Erniedrigung und Abwertungen von Menschen und hin zu einem respektvollen Miteinander.

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