Klartext: Kleine Wahlnachlese

Bertram Lenz
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Bertram Lenz

Bertram Lenz schreibt über die Kommunalwahl und den Wahlabend im Fuldaer Stadtschloss

Unter Corona-Bedingungen ist in diesem Jahr alles anders. Dies galt natürlich auch für den Wahlkampf, der am Sonntag auf den unterschiedlichsten Ebenen vorerst) beendet worden ist. Dabei muss der Wettstreit um die Gunst des Wählers trotz Maske und Abstand nicht zwangsläufig zu großem Verdruss führen, wie man an den beiden Kandidaten Dr. Heiko Wingenfeld CDU), dem amtierenden Verwaltungschef der Stadt Fulda, und seinem Herausforderer Jonathan Wulff SPD) beispielhaft sehen konnte. Höchst respektvoll, beinahe gelöst, gingen die Kontrahenten um das Amt des Oberbürgermeisters am Wahlabend im Fürstensaal des Stadtschlosses miteinander um – ein sachlicher und fairer Stil, der sich auch von anderen zum Vorbild genommen werden sollte.

In der Bundes-CDU liegen beispielsweise die Nerven blank, was angesichts der Vorgänge rund um die „Masken-Affäre“ irgendwie auch kein Wunder ist. Parteichef Armin Laschet und andere Vertreter der Christdemokraten sprachen nach den herben Niederlagen in Mainz und Stuttgart folgerichtig von einem Warnschuss – und attackierten die SPD, immerhin Partner in der GroKo. Sogar von „Flegeln“ war die Rede. Man sieht, dass der Ton rauer wird, wenn sich eine gewisse Hilflosigkeit breit zu machen und die Macht zu schwinden droht.

Ob es allerdings damit getan ist, sich möglichst rasch von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu distanzieren, sei einmal dahingestellt. Denn wenn einmal dieser Stein ins Rollen gekommen ist, dann rollen andere Steine Spahn, Altmaier) gleich mit. Besser wäre es in meinen Augen, die CDU/CSU könnte sich endlich auf einen Kanzlerkandidaten verständigen. Und das im Übrigen besser heute als morgen! Und lieber Söder als Laschet. Wer in den 80er-Jahren die Gründungsphase der Grünen miterlebt hat, mag sich immer noch verwundert die Augen reiben, wenn er sieht, dass die Partei heute im Begriff ist, sich ganz oben festzusetzen.

Der Erfolg, auch in unserer Region, beruht auf einer gelungenen Mischung aus Umweltschutz und realer Politik, manifestiert an Persönlichkeiten wie dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Bei dem man inzwischen allerdings auch schon zweimal nachlesen muss, um zu sehen, dass der 72-Jährige tatsächlich bei den Grünen ist. Er ist – im besten Sinne – ein konservativer Umwelt- und Klimapolitiker, dem jedoch auch wirtschaftliches Denken und Handeln nicht fremd sind. Ähnlich übrigens wie sein Parteikollege Fritz Kuhn, bis vor Kurzem Oberbürgermeister von Stuttgart. Alle aus dem „Ländle“.

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