Klartext: Klimpergeld adé?

Gedanken um eine mögliche Abschaffung von 1- und 2-Cent-Münzen macht sich Redakteur Christopher Göbel.

Die EU-Kommission hat den Plan, die 1- und 2-Cent-Münzen abzuschaffen. Warum? Weil diese Mini-Münzen die Staaten nur Geld kosten. Die Herstellung einer 1-Cent-Münze beispielsweise soll 1,65 Cent kosten. Das klingt tatsächlich nach einem Verlustgeschäft. Wenn man dann bedenkt, dass ein Großteil dieser Münzen letztendlich in Einmachgläsern oder Schubladen gar nicht mehr im Umlauf ist, und deshalb immer mehr 1- und 2-Cent-Münzen nachgeprägt werden müssen, dann erscheint mir die Abschaffung noch sinnvoller

Ich selbst leere mein Portemonnaie regelmäßig aus. Das wird mir mit zuviel Münzgeld einfach zu unhandlich und zu schwer. Die Kupferlinge bis 5 Cent landen in einer Box, die 10-Cent-Stücke in einer zweiten. Aus letzterer bediene ich mich beispielsweise, wenn ich plane, in einem Parkhaus zu parken. Diese Automaten nehmen nämlich Münzen noch an.

Anders sieht es leider inzwischen bei den meisten Banken aus. Nahezu alle Automaten, in die man sein Kleingeld werfen konnte, um es auf das eigene Konto einzuzahlen, sind verschwunden. Und die Banken haben selbst, als das Einzahlen von Münzen noch möglich war, eine Gebühr erhoben. Gelohnt hat sich das wirklich nur, wenn man sich endlich dazu aufraffen konnte, einen großen Stoffbeutel voller schwerer Münzen zur Bank zu tragen. Und jetzt? Was macht man mit den Münzen, die eigentlich niemand braucht? Ich weiß es nicht. Weiter sammeln und hoffen, dass man sie vielleicht wenigstens am „Weltspartag“ im Oktober zur Bank bringen kann?

Offizielles Zahlungsmittel

Noch sind auch 1- und 2-Cent-Münzen offizielle Zahlungsmittel und an den Kassen müssen bis zu 50 Münzen angenommen werden. Die Realität sieht allerdings anders aus. Wer an einer Supermarktkasse mit Kupfergeld zahlt, wird von Personal und dem Rest in der Schlange meist schief angeschaut. Kleinstgeld zählen kostet ohne Frage Zeit. Andersherum: Wenn in den Kassen zu wenig Kupfermünzen für das Rückgeld vorhanden sind, muss darauf gewartet werden, dass eine neue „Rolle“ kommt, um Kupfermünzgeld zurückgeben zu können.

Ich selbst bin Bargeld-Fan und zahle nur in absoluten Ausnahmefällen mit Karte. Ich bilde mir ein, so einen besseren Überblick über meine Finanzen zu haben. Ich wundere mich schon lange über Preise wie 1,99 Euro, 1,49 Euro oder – wenn beispielsweise Obst und Gemüse grammgenau abgerechnet werden – 4,23 Euro für ein paar Äpfel. Finnland hatte nie 1- und 2-Cent-Münzen. In den Niederlanden wurden sie 2004 abgeschafft, Belgien (2014) sowie Irland und Italien folgten 2018. Und nirgendwo dort ist das Finanzwesen zusammengebrochen, nirgendwo ist die Armut gestiegen.

Mit dem Auf- und Abrunden bei den Preisen scheinen diese Länder ganz gut zurechtzukommen und dabei auch noch zu sparen: Zum einen teure Münzprägungen und zum anderen Gewicht im Geldbeutel. Ich bin mir sicher, dass das Leben wegen dieses Verfahrens nicht teurer und nicht billiger wird, sondern dass sich der Zahlungsverkehr vereinfachen lässt. Und die Abschaffung allen Bargelds sehe ich in diesem Schritt noch lange nicht.

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