"Tag der Deutschen Einheit": Gut, wie es gekommen ist 

"Klartext"-Kommentar von "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz anlässlich des 3. Oktober 

Fulda - Bisweilen ertappe ich mich dabei, dass ich den 17. Juni noch immer für einen Feiertag halte. Ist er aber nicht mehr, sondern quasi abgelöst worden vom 3. Oktober. Dieser Tag, an dem offiziell die Deutsche Einheit gefeiert wird, ist aber eben nicht denkbar ohne jenen Tag im Juni 1953, als es in der ehemaligen DDR zu Streiks, Demonstrationen und Protesten kam.

Dieser Volks- oder Arbeiteraufstand, wie er ja gerne bezeichnet wird, war mit politischen und wirtschaftlichen Forderungen verknüpft, die man unter dem Oberbegriff „Mehr Freiheit“ zusammenfassen könnte. Wie dieser Aufschrei erstickt wurde, ist hinreichend bekannt: Ähnlich den Aufständen in Ungarn oder der früheren Tschechoslowakei mit brutaler Gewalt der Besatzungsmacht Sowjetunion. Der Geist des Jahres 1953 aber setzte sich – manchmal mehr, manchmal weniger intensiv – fort bis zum Ende der 1980-er Jahre, beflügelt durch Gorbatschows Ruf nach „Perestroika“ und „Glasnost“.

Zum 3. Oktober 1990 trat dann die DDR offiziell der Bundesrepublik bei, waren knapp ein Jahr nach dem Mauerfall und dem Kappen der Grenzzäune die Teilung Deutschlands überwunden und die Existenz der DDR beendet. Interessantes Detail: Einer der Unterzeichner des Einigungsvertrages war der damalige Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble, heute Bundestagspräsident und somit noch immer stark eingebunden ins Politgeschäft.

In der Tat erscheint es schier unglaublich, dass schon 30 Jahre ins Land gezogen sind, seit aus den beiden deutschen Staaten wieder einer geworden ist. Auch wenn die Vorgehensweise an sich nicht nur Beifall fand. Gregor Gysi von der PDS (auch er noch heute in Polit-Talkshows aktiv), sprach damals vom „Untergang der Deutschen Demokratischen Republik“. Der Einigungsprozess sei zum „Anschluss“ degradiert worden. Unüberlegt wird der rhetorisch brillante Gysi diese Wortwahl nicht benutzt haben, kommen einem doch sofort der „Anschluss“ Österreichs und des Sudetenlandes 1938 an Nazideutschland in den Sinn.

In diesen Tagen wird sehr viel über die vergangenen 30 Jahre geredet und diese bewertet werden. Möglicherweise hätte die eine oder andere Sache anders geregelt werden müssen. Im Großen und Ganzen aber meine ich, dass es gut ist, so wie es gekommen ist. Dieser Meinung sollten auch all‘ jene sein, die im früheren Zonenrandgebiet auf westlicher Seite zu Hause waren. Und für die es manchmal ein sonntägliches Vergnügen war, „an die Grenze zu fahren und ,Zonis‘ zu gucken“. Dass sich die dabei wie im Zoo vorgekommen sein müssen, daran haben wir Westler – Hand aufs Herz – keinen Gedanken verschwendet.

Heute dagegen ist ein Besuch der ehemaligen innerdeutschen Grenze empfehlenswert. Um gerade der jüngeren Generation vor Augen zu führen, was es bedeutet, wenn nicht nur zwei Staaten, sondern ganze Familien getrennt oder Dörfer „geschleift“ werden. „Point Alpha“ eignet sich da in diesen Tagen ganz hervorragend.

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