Söder und Seehofer: Der eine kann's, der andere kann's nicht (mehr)

Klartext-Kommentar von "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz zu zwei Männern aus der CSU

Fulda - Zwei Männer aus der CSU, der Christlich Sozialen Union, sind es, die in den letzten Tagen die Schlagzeilen bestimmt haben. Zum einen der Parteichef und Ministerpräsident Bayerns, Markus Söder. Zum anderen sein Vorgänger in den beiden Ämtern, Bundesinnenminister Horst Seehofer.

Beginnen wir bei dem Franken Söder, der vor Kurzem durch die Aussage hat aufhorchen lassen, dass nur derjenige Kanzlerkandidat (der Union) werden könne, der es verstehe, Krisen zu bewältigen. Man muss nicht Hellseher sein, um zu wissen, wen der 53-Jährige da wohl gemeint hat: Sich selbst nämlich. Und, das muss man ihm meiner Ansicht nach neidlos zugestehen, Söder hat recht.

Denn im Vergleich mit den anderen Kandidaten um das Amt des CDU-Chefs (und möglichen Streitern um den Kanzlerposten), Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Armin Laschet, führt er Bayern bisher durchaus souverän durch die Krise. Und vergisst nicht, mitunter auch national wie international Duftmarken zu setzen. Ergo: Söder kann Krise und hat mit seinem Satz die CDU aufgescheucht. Die kommenden Wochen werden parteipolitisch spannend.

Einer, der es augenscheinlich nicht (mehr) kann, ist Seehofer. Der 71-Jährige hat vor wenigen Wochen mit viel Getöse eine Strafanzeige gegen eine taz-Kolumnistin anstrengen wollen. Die hatte den völlig inakzeptablen und zutiefst Menschen verachtenden Satz geschrieben, wonach Polizeibeamte auf die Müllhalde gehörten. Wohl nach Intervention der Kanzlerin nahm Seehofer von der Strafanzeige Abstand und machte damit zugleich seinem Ruf als „Ankündigungsminister“ alle Ehre.

Und nun noch das: Seehofer hält die geplante Studie zum sogenannten „Racial Profiling“ bei der Polizei nicht für sinnvoll. Dies bedeutet, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Haarfarbe oder anderer äußerer Merkmale kontrolliert werden, ohne dass konkrete Verdachtsmomente vorliegen. Zunächst müssten, so Seehofer, die zwischen Bund und Ländern abgestimmten Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus umgesetzt werden. Diese Entscheidung stößt überwiegend auf Kritik und Unverständnis, unter anderem vom „Bund Deutscher Kriminalbeamter“. Die Haltung des Innenministers sei „einigermaßen peinlich“ und in sich nicht schlüssig.

Ergo: Seehofer schliddert inzwischen von einem Fettnäpfchen ins andere. Seine Zeit ist langsam, aber sicher vorbei.

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