Klartext: Lässlicher Leichtsinn

Redakteur Christopher Göbel und seien Gedanken zur aktuellen Situation in der Coronakrise.

Corona ist immer noch da. Auch, wenn ich es angesichts der Bilder der angeblichen Demo, die mir aus Berlin gezeigt wurden. Als wäre nicht und niemals etwas gewesen. Es mag ja sein, dass das schöne Wetter die Menschen herauslockte. Aber wenn dann aus dem Locken wieder ein Lockdown wird, dann wird uns allen das Lachen vergehen.

Natürlich wollte ich auch die schönen und sonnigen Tage nicht im stillen Kämmerlein verbringen. Also bin ich mit meiner Familie auch losgezogen. Ein bisschen Bummeln und Shoppen, ein Latte Macchiato im Café und Spaziergänge im Park. Dabei waren wir immer darauf bedacht, die geltenden Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.

Darauf bedacht, wohlgemerkt. Denn uns ist aufgefallen, dass es in manchen Situationen einfach unmöglich ist, die mindestens 1,50 Meter um sich herum zu haben. In manchen Geschäften geht das einfach nicht, wenn die Gänge eng sind. Und mir ist aufgefallen, dass es immer noch Menschen gibt, die beim Betreten eines Geschäftes auf die Maskenpflicht hingewiesen werden müssen. Leben die normalerweise auf dem Mond?

Zurück zu den Menschenmassen in Berlin auf der so genannten Demo. Was treibt diese Leute an, sich über alles hinwegzusetzen und Körper an Körper und ohne Mund-Nasenschutz Party zu machen? Was treibt sie an, sich über geltende Regeln hinwegzusetzen? Fahrlässig, leichtsinnig und unsolidarisch nenne ich das. Gleiches gilt für die Feiern, die in einer Göttinger Mietshauskaserne und einer Shisha-Bar gefeiert worden sein sollen. Nach jetzigem Stand steht der Landkreis Göttingen deswegen kurz vor dem Shutdown. Und auch in Berlin ist die Reproduktionszahl doppelt so hoch wie im Rest des Landes.

Für mich gibt es für die steigenden Zahlen nur einen Grund: Die Unvernunft mancher Mitmenschen. Dass die Regelungen zur Eindämmung des Coronavirus etwas gebracht haben, sollte uns allen bewusst sein. Dass manche nun aufgrund der Lockerungen über die Stränge schlagen und so tun, als sei nie etwas gewesen, könnte uns zurückwerfen. Handel, Gastronomie und nahezu alle anderen Wirtschaftszweige sind gerade dabei, wieder auf die Beine zu kommen und das unverantwortliche Handeln einiger könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass unser Land wieder komplett lahmgelegt wird. Und das ist etwas, was sich niemand von uns wünschen dürfte.

Doch was macht Corona mit uns? Auf der einen Seiten zeigen sich Hilfsbereitschaft und Kreativität, auf der anderen aber habe ich den Eindruck, dass sich auch durch die Maskenpflicht unsere Einstellung zu unseren Mitmenschen verändert hat. Anonymer ist unser soziales Leben geworden. Ich vermisse die Herzlichkeit einer Umarmung von Freunden, das Lächeln, das ich jetzt nur über die Augen erlebe, die Nähe, die ich ansonsten spüre.

Und ich selbst? Ich möchte niemandem zu nahe kommen, habe mich an die Maske gewöhnt und versuche weitestgehend auf Abstand und Hygieneregeln zu achten. Denn ich will, dass das aufhört. Dass wir wieder ganz normal unser Leben leben können. Und diesen Optimismus lasse ich mir nicht nehmen.

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