Klartext: Lebensretter sein

Eine Organspende kann Leben retten, doch noch gibt es in Deutschland zu wenige Spender. Eine Widerspruchlösung soll nun für mehr Spender sorgen.

Beschäftigt man sich mit dem Thema Organspende, setzt man sich unausweichlich mit dem eigenen Tod auseinander. Was passiert mit meinem Organen, wenn ich hirntod bin? Diese Frage habe ich mir schon vor einigen Jahren gestellt. Für mich ist klar, nach meinem Tod, sollen meine Organe gespendet werden – ohne Ausnahme. Was will ich damit noch anfangen? Auch was mit mir passieren soll, falls ich irgendwann nicht mehr in der Lage sein sollte, über mein „Leben“ zu bestimmen, ist klar an meine Familie kommuniziert. Bestens vorbereitet bin ich auf den Fall, wenn..., aber einen Organspenderausweis habe ich trotzdem nicht. Wieso? Keine Ahnung, ich habe ihn wohl irgendwann mal verloren, einen neuen habe ich mir auch noch nicht gemacht. Wieso, weiß ich selbst nicht.

Ich denke, vielen Menschen geht es ähnlich wie mir. Sie wissen, dass sie nach ihrem Tod ihre Organe spenden möchten, haben aber selbst keinen Ausweis und vielleicht wissen die Familie und Freunde des Betroffenen nicht Bescheid, weil man sich ja ungern über den Tod unterhält.

Für mich ist die Vorstellung schrecklich, dass meine Familie entscheiden müsste, was mit mir passiert, wenn sie bereits voller Trauer sind. Allein deshalb sollte sich jeder mit diesem Thema beschäftigten, um den Liebsten diese Entscheidung in einer solchen Situation abzunehmen.

Daher finde ich die Widerspruchslösung des CDU-Politikers und Gesundheitsministers Jens Spahn nicht schlecht, wobei ich erwähnen möchte, dass ich sonst kein großer Fan seiner Gesetzesentwürfe bin. Mit Widerspruchslösung muss sich jeder zwangsläufig mit dem Thema Organspende beschäftigen. Denn alle Staatsbürger ab 18 Jahren werden über den Zeitraum von einem Jahr ausführlich informiert und schließlich als Spender registriert – außer sie widersprechen. Jederzeit ist es möglich seine Entscheidung zu revidieren. In Bulgarien, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, Polen, Portugal, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Türkei, Ungarn und Zypern gilt die Widerspruchslösung bereits.

Doch egal, ob die Widerspruchslösung nun eingeführt wird oder nicht, kann ich Ihnen nur raten: Beschäftigen Sie sich mit dem Thema Organspende. Denn jeden Tag sterben Menschen, die auf ein gesundes Organ warten. Welchen schöneren oder besseren „Sinn“ des eigenen Todes gibt es, wenn ich mit meinen Organen noch Leben retten konnte? Mir würde dieser Gedanke sicherlich ein bisschen mehr Frieden schenken.

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