Klartext: Lehrmeister

Fulda aktuell-Redaktionsleiter Bertram Lenz schreibt über die Kritik des Hünfelder Ehrenbürgermeisters Dr. Eberhard Fennel an seinem Nachfolger.

Während die Thematik in vielen Städten und Gemeinden des Landkreises Fulda und weit darüber hinaus seit Langem diskutiert wird, macht man in Hünfeld Nägel mit Köpfen und schafft die Straßenausbaubeiträge ab. Der Entscheidung, die am Dienstagabend mit großer Mehrheit von den Stadtverordneten getroffen wurde, ging ein langwieriger Prozess des sorgfältigen Abwägens der Pro- und Contra-Argumente voraus. Fakt ist: Das Votum aus der Konrad-Zuse-Stadt besitzt wegweisenden Charakter und ist ein ermutigendes Zeichen für Parteien und Initiativen, die sich dieses Ziel ebenfalls auf ihre Fahnen geschrieben haben und seit geraumer Zeit hartnäckig verfolgen.

Jemand, der damit ganz und gar nicht konform geht, ist der Hünfelder Ehrenbürgermeister Dr. Eberhard Fennel, der seinen Nachfolger Stefan Schwenk öffentlich mit harschen Worten kritisiert und vor einem Verzicht auf die Straßenausbaubeiträge gewarnt hat. Fennel zeigte sich im Vorfeld der Stadtverordnetensitzung „entsetzt“ und warf den jetzigen Verantwortungsträgern „in meiner Stadt“ vor, ihnen fehle „ohne Not der Mut zur Verantwortung“. Der Satz, mit dem er die Stellungnahme an die „Fulda aktuell“-Redaktion per E-Mail ergänzt hat, spricht ebenfalls Bände – „Niemand sollte später einmal sagen: Hätte ich das gewusst!“ 36 Jahre lang hat CDU-Mann Fennel Verantwortung für Hünfeld getragen, ist das Mittelzentrum ohne Zweifel erst unter seiner Ägide zu dem geworden, wie es sich heute präsentiert. Daraus freilich die Rechtfertigung abzuleiten, seinen Parteifreund Schwenk öffentlich auf diese Art und Weise kritisieren und belehren zu dürfen, erscheint mir doch sehr gewagt.

Die Vermutung steht im Raum, dass Fennel Diskussion und Entscheidung um die Straßenausbaubeiträge nur zum Anlass nimmt, um sich generell daran abzuarbeiten, wie er die Amtsführung Schwenks im Rathaus beziehungsweise verschiedene aktuelle Projekte beurteilt. Gemeinhin nämlich ist es gute Gepflogenheit, dass sich der Vorgänger zurückhält, wenn es um Bewertungen der Arbeit des Nachfolgers geht – und umgekehrt. Insofern ist das Vorgehen des Ehrenbürgermeisters ein recht erstaunlicher Vorgang. Zumal sich Schwenk bislang öffentlich damit zurückgehalten hat, wie er die Amtsführung Fennels einstuft. Offen bleibt, ob sich Fennel, ganz Bürgermeister „alter Schule“, einen Gefallen getan hat. Die Formulierung „meine Stadt“ nämlich, wie anfangs erwähnt, lässt darauf schließen, dass hier jemand um sein Erbe fürchtet.

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