Klartext: „Mach weiter!“

Bertram Lenz
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Bertram Lenz

Bertram Lenz und seine Gedanken zum Rücktrittsangebot von Kardinal Marx wegen sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche - und dem „Nein“ von Papst Franziskus.

Bleibt es auf Kurs oder droht die Havarie? Wohin steuert das römisch-katholische Kirchenschiff in Deutschland? – Diese Fragen hatten nicht zuletzt durch das Rücktrittsgesuch von Reinhard Kardinal Marx neue Nahrung erhalten, auch wenn das Ansinnen von Papst Franziskus abgelehnt wurde, wie am Donnerstag verlautete.

Was doppelt überraschend ist, denn zum einen kam die Entscheidung aus Rom ungewöhnlich schnell, zum anderen werden solche Bitten normalerweise positiv beschieden. So aber gipfelte das Statement des Papstes in zwei Worten, die schon jetzt legendär sein dürften: „Mach weiter!“ Tatsache freilich ist, dass sich viele Gläubige seit Langem schon nicht mehr in „ihrer“ Kirche aufgehoben fühlen und sich ihr zunehmend entfremden. Die Diskussion, die Marx durch sein Schreiben an den Papst in Gang gesetzt hatte, ist da nur das „i-Tüpfelchen“.

Der 67-Jährige hatte seinen Schritt mit einer Aussage untermauert, die von Resignation geprägt war: Die Kirche, so Marx, sei an einem „toten Punkt“ angekommen. In diesen beiden Worten aber schimmerte zugleich noch etwas anderes durch: Das Erkennen der eigenen Unzulänglichkeit, aktiv eingreifen zu können, um das Ruder vielleicht noch herumzureißen. Und das von einem Mann, der nicht zuletzt durch sein langjähriges Wirken als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ein hohes Maß an Ansehen genießt.

Immerhin teilt Franziskus die Ansicht des Kardinals, der sprachlos scheint angesichts dessen, wie das Fehlverhalten Vieler aufgearbeitet wird: „Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben. Der traurigen Geschichte des sexuellen Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit bis vor Kurzem umgegangen ist“, so Franziskus. Das zumindest lässt ein wenig für die Zukunft hoffen.

Zumal Marx mit dem Rücktrittsgesuch an den Papst noch etwas anderes verband: Hoffnung darauf, dass er damit einen Stein ins Rollen und diejenigen zum Nachdenken und Handeln hätte bringen können, die eher einen solchen Schritt vollziehen sollten als er. Wie zum Beispiel der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der sich seit Monaten an sein Amt klammert. Und das trotz eines eher undurchsichtigen Vorgehens bei der Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe im Bistum Köln. Die schweren Anschuldigungen gegen Woelki sind mit ein Grund dafür, dass die Gläubigen in Scharen ihren Austritt aus der Kirche vollziehen.

Viele kirchliche Würdenträger scheinen gefangen in ihren Strukturen, stehen Reformen ablehnend gegenüber. Und bei immer mehr Frauen und Männern, die sich noch) in den Gemeinden engagieren, wächst der Frust angesichts des nur schleppenden Prozesses, wie sich beispielsweise der „Synodale Weg“ entwickelt, der auch im Bistum Fulda beschritten wird.

Dies liegt nicht zuletzt auch an den Widerständen aus dem Vatikan. Denn so manches, was aus Rom kommt, ist an weltlicher Ferne kaum zu übertreffen. Wie die Weigerung, homosexuelle Paare zu segnen.

Fazit: Dringend nötig ist eine Erneuerung des Systems von innen heraus, ein Aufbruch, den viele mittragen. Sonst droht wirklich der Schiffbruch.

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