Klartext: Massengrab Meer

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Redakteur Hans-Peter Ehrensberger über die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer

Das Mittelmeer wird immer mehr zum Massengrab für Flüchtlinge. Für Menschen, die nicht einmal mehr das einzige retten können, was sie noch besitzen: ihr eigenes, erbarmungswürdiges Leben. Kaum ein Tag vergeht, an dem sich nicht geschundene, entrechtete, gequälte, von Bürgerkrieg, Terror, Stammesfehden und Glaubenskriegen traumatisierte Flüchtlinge auf den Weg ins vermeintlich "gelobte Land" nach Europa machen.

Von kriminellen Schleppern ausgebeutet, auf tagelangen Märschen über den Landweg nach Griechenland oder eben über das noch gefährlichere Meer in Richtung Italien und Spanien. Ankommen werden nur die wenigsten, als Asylsuchende bleiben dürfen noch weniger. Die meisten werden wieder in ihre Ausgangsländer zurückgeschickt, wenn sie – so zynisch das klingt – "Glück" haben in Flugzeugen, und nicht in braunen Erwachsenen- oder weißen Kinder-Särgen auf Marine- oder Containerschiffen.

Was muss eigentlich noch alles passieren, dass das "Abendland" endlich aufwacht und sich seiner so vielfach beschworenen, jahrtausendealten christlichen Grundwerte und humanitären Verantwortung besinnt? Wann kommt man endlich ab von dieser schlimmen Einmauerungspolitik? Wenn Menschen in Not und in unmittelbarer Lebensgefahr sind, dann kann man nicht über Paragraphen des europäischen Asylrechts diskutieren, sondern muss schnell und unbürokratisch helfen, nacktes Leben retten.

Und da ist in erster Linie die EU-Grenzschutzagentur "Frontex" gefordert, die offensichtlich immer noch mehr auf Abschottung setzt und Menschen, die in Seenot geraten sind, nicht ausreichend zu Hilfe kommt. Es muss endlich zu einem gemeinsamen solidarischen Vorgehen in der europäischen Asylpolitik kommen. Und die muss in erster Linie das Ziel haben, die Lebenssituation in den Heimatländern zu verbessern, um Fluchtgründe abzubauen. Ein frommer Wunsch, wie auch der nach Integration der bei uns "Gestrandeten".

Dazu gehören eine unvoreingenommene Aufnahme auch in unserer Region, Sprach- und Integrationskurse, vor allem aber den Menschen das Gefühl zu vermitteln, in ihrer neuen Heimat willkommen zu sein. Dies ist ein Bild mit menschlichem Antlitz, das wir nach außen kommunizieren sollten. Und nicht jene schrecklichen, sich wie Mahnmale und Menetekel in Herz, Verstand und Seele einbrennenden Eindrücke von fast 400 Särgen im Flughafen-Hangar von Lampedusa.

(Foto: Wikipedia.de)

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