Klartext: Der Mensch lenkt ...

Redakteur Christopher Göbel und seine Gedanken über die Zukunft des Autofahrens.

Ich sage es ganz deutlich: Ich habe Angst vor selbstfahrenden Autos. Vielleicht liegt das daran, dass ich es mir einfach nicht vorstellen kann, wie ein Computer so reagieren kann, wie ein Mensch das tut. Was passieren kann, hat bedauerlicherweise in Arizona ein tödlicher Unfall mit einem solchen Vehikel gezeigt.

Es mag sein, dass die Schuld nicht allein beim autonom fahrenden Auto oder beim sogenannten Sicherheitsfahrer lag, weil die Frau nach den polizeilichen Ermittlungen abrupt und aus dem Schatten auf die Straße getreten sei. Es mag auch sein, dass ein menschlicher Fahrer ebenso mit dem späteren Todesopfer zusammengestoßen wäre. Aber: Es wurde auch ermittelt, dass das autonome Auto nicht abbremste. Ein Mensch hätte das auf jeden Fall getan.

Nur in Science-Fiction-Filmen

Ich möchte mir keine Welt vorstellen, in der Autos, Lastwagen oder Busse nur noch durch Radar und Technik durch die Straßen chauffiert werden. In Science-Fiction-Filmen mag das toll aussehen, aber im wahren Leben? Was bringt es uns, wenn Vehikel sich ohne menschliche Hilfe fortbewegen? Bei dem Bähnchen zwischen Terminal 1 und Terminal 2 am Frankfurter Flughafen mag das funktionieren, denn das fährt auf Schienen. Der alltägliche Straßenverkehr allerdings ist keineswegs im Voraus berechenbar.

Wer selbst Auto fährt, der weiß, dass man ständig konzentriert sein muss, immer darauf bedacht, auf jede Kleinigkeit sofort reagieren zu können. Dafür hat man manchmal nur Bruchteile von Sekunden. Kann ein Computer alle Eventualitäten auf unseren Straßen berechnen? Ich glaube nicht daran.

Schnapsidee zum Hessentag

In Bad Hersfeld hat der Bürgermeister bereits einen Vertrag unterschrieben, zum „Hessentag“ im kommenden Jahr fahrerlose Shuttlebusse einzusetzen. Mir graut es allein beim Gedanken daran, dass mir solch ein Ding begegnen könnte. Diese Schnapsidee soll angeblich Kosten einsparen. Was aber ist, wenn ein Unfall mit einem Fußgänger, einem Radfahrer oder einem anderen Verkehrsteilnehmer passiert? Ich verstehe solche Ideen nicht. Wie man gerade jetzt gesehen hat, können autonome Fahrzeuge eben nicht „denken“. Und wegen der fehlenden Bremsspuren wohl auch nicht schnell genug reagieren.

Natürlich ist die Technik, die heute in Pkw und Lkw verbaut wird, ein großer Fortschritt. Sie sorgt auch für mehr Sicherheit auf den Straßen. Aber sie kann keinen denkenden Menschen ersetzen. Sie kann nur unterstützen.

Ein weiterer Aspekt: Derzeit arbeiten Tausende im Öffentlichen Personennahverkehr. Will man zukünftig diese Bediensteten alle entlassen, weil Busse und Bahnen ohne menschliche Hilfe fahren können? Eines weiß ich genau: Ich werde in keines dieser Dinger einsteigen. Ich möchte am Steuer die Sicherheit haben, dass entweder ich selbst oder ein für den Personentransport ausgebildeter Mensch mit Gehirn die Entscheidungen trifft.

Ich fürchte, dass die Entwicklungen in diesem Bereich nicht mehr aufzuhalten sind. Aber – und das mag dogmatisch klingen – so lange ich Herr meiner Sinne bin, werde ich auch Herr meines Autos sein. Ich mag es ja nicht einmal, vom Förderband in die Waschstraße gezogen zu werden...

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