Klartext: Für die Menschenwürde

Fulda aktuell-Redakteurin Antonia Schmidt ist der Meinung, dass Menschenwürde nicht an der Tür des Arbeitsamtes abgegeben wird.

Hartz IV-Empfänger müssen mit vielen Vorurteilen kämpfen: Sie seien faul, ruhten sich auf Staatskosten aus oder nutzten den Staat aus. Die Realität stellt sich jedoch häufig anders dar. Denn das erhalten der Staatshilfe ist an genaue Voraussetzungen geknüpft, Fehlverhalten wird mit Sanktionen bestraft. Mit diesen beschäftigte sich jetzt das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Mit dem Ergebnis, einige Sanktionen sind nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Denn einem Menschen, der sowieso bereits am Existenzminium lebt, durch Sanktionen die Grundlage zum Leben zu nehmen, verstoße gegen die Menschenwürde. So wurden beispielsweise 60 Prozent der Unterstützung bei Fehlverhalten gekürzt.

Das Erhalten der Hilfe ist im Sozialgesetzbuch II geregelt: Allein dieser Umstand zeigt, dass es sich hierbei nicht um eine (be-)strafbare Handlung handelt; diese sind, natürlich, im Strafgesetzbuch geregelt. Doch verlangt der Staat für seine Leistung auch ein wenig Eigeninitiative. Dies bedeutet Bewerbungen schreiben, Schulungen und Fördermaßnahmen besuchen. Fördern und Fordern lautet der Grundgedanke bei Hartz IV. An sich eine gute Idee, denn auch ich bin der Meinung, dass derjenige, der etwas bekommt, auch etwas dafür tun soll. Und auch Eigeninitiative zeigen, ohne dass einem Strafen drohen müssen. Dabei sollte jedoch von Fall zu Fall unterschieden werden. Denn nicht jeder ist für jede Arbeit gemacht. Ich könnte mir zum Beispiel nicht vorstellen, als Gärtner zu arbeiten. Darunter würden auch die Pflanzen leiden, da ich absolut keinen „grünen Daumen“ habe. Also sollte entschieden werden: Was ist sinnvoll? Ich bin eine absolute Trash-TV-Queen, zu meinem Programm gehört auch die Sendung „Hartz und herzlich“, die Hartz IV-Empfänger aus unterschiedlichen Regionen begleitet. Häufig wird das Klischee des „Assi-Hartzers“ bedient, aber auch andere Schicksale. Menschen, die zeigen, dass Hartz IV-Empfänger nicht nur faule und lustlose Menschen sind. Diese Momente regen mich zum Nachdenken an. Denn manchmal gerät man in die Not solche Sicherungsnetze nutzen zu müssen – dies sollte uns allen bewusst sein.

Eines ist uns allen wohl das wichtigste Gut: unsere Menschenwürde. Diese muss auch gewährleistet sein, wenn man in eine berufliche Schieflage gerät. Das Urteil aus Karlsruhe unterstreicht diesen Grundsatz deutlich.

Rubriklistenbild: © Kurt F. Domnik/pixelio.de/ Duangphung

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