Klartext: Minuten fürs Leben

Redakteur Christopher Göbel schreibt über die Unbelehrbaren, die im Stau keine Rettungsgasse bilden und den Einsatzkräften wertvolle Minuten stehlen.

Rettungsgasse – mancher mag das Wort nicht mehr hören, aber dennoch ist es nach wie vor ein Problem, das in manchen Fällen über Leben und Tod entscheidet. Es hat seinen Grund, warum Autofahrer, die im Stau keine Rettungsgasse bilden, heftig zur Kasse gebeten werden, wenn sie erwischt werden. Wenn ein Unfall passiert ist, dann ist jede Sekunde wichtig für Notarzt und Feuerwehr.

Und das sage ich, auch wenn ich nicht weiß, ob „da vorne“ nur ein Blechschaden entstanden ist oder ob eine Baustelle ursächlich für den Stau ist. Das weiß nämlich keiner derjenigen, die mit ihrem Auto drin stehen. Die „Erfindung“ der Rettungsgasse ist sinnvoll. Aber sie hilft nur so lange, wie sie von allen Verkehrsteilnehmern auch befolgt wird.

Die Regelung ist so einfach, dass man eigentlich gar nicht dagegen verstoßen kann. Bei zweispurigen Autobahnen wird die Rettungsgasse in der Mitte gebildet. Ab drei Spuren fahren die auf der linken Spur ganz nach links, alle anderen ganz nach rechts. Und fertig. Mehr ist es nicht.

Der Mensch ist ein Herdentier. Wenn also derjenige, der ganz vorne im Stau steht, vormacht, wie die Rettungsgasse funktioniert, dann sollte es eigentlich so sein, dass der jeweils dahinter Stehende nachmacht, was der davor tut. Manche in der Herde scheinen sich aber für Alphatiere zu halten. Im letzten Stau, in dem ich stand, meinten manche immer noch, lieber schauen zu wollen, was da vorne los ist. Und dazu fuhren sie in die Mitte der Gasse. Als anderer Autofahrer hat man kaum Möglichkeiten, demjenigen zu zeigen, dass er gegen Paragraf 11 der Straßenverkehrsordnung handelt. Man kann nur den Kopf schütteln und hoffen, dass das Alphatierchen irgendwann bemerkt, dass es nicht das tut, was der Rest der Herde macht.

Aktuell beziffert das „DRK“ den durchschnittlichen Zeitverlust durch fehlende Rettungsgassen auf fünf Minuten. Durchschnittlich. Das heißt, in vielen Fällen dauert es erheblich länger bis zum Einsatzort. In besagtem Stau ist mir aufgefallen, dass doch ein Großteil der Autofahrer bemerkt hat, dass man nicht mehr einfach mitten auf der Spur stehen bleibt. Und auch, dass es wichtig ist, die Rettungsgasse bereits zu bilden, wenn der Verkehr anfängt, sich zu stauen. Denn geht erstmal gar nichts mehr, steht man eben falsch und kann auch nicht nach links (alternativ ab Spur zwei nach rechts) manövrieren.

Ganz dreist finde ich diejenigen, die meinen, eine Rettungsgasse sei nur für sie freigehalten worden – und damit meine ich natürlich nicht die Rettungsdienste. Ich habe sowas bisher nur in Fernsehreportagen gesehen, in echt ist mir so eine Verantwortungslosigkeit noch nicht vorgekommen. Auch Motorradfahrer haben sich an Rettungsgassen zu halten. Da hilft es auch nichts, wenn die Biker selbst in sozialen Netzwerken posten, dass der Asphalt im Sommer schrecklich heiß und dass die Motorradkleidung so dick ist.

Ganz ehrlich: Lägen diese Biker nach einem Unfall auf der Autobahn und kämpften um ihr Leben, würden sie mit Sicherheit anders denken. Die Rettungskräfte machen einen Super-Job. Wir Autofahrer sind verpflichtet, ihnen diesen Job zu erleichtern. Und eine Rettungsgasse zu bilden, bedeutet keinerlei persönliche Einschränkung für den Fahrer. Aber für Unfallopfer kann sie über Leben und Tod entscheiden. Denken Sie beim nächsten Stau bitte daran.

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