Klartext: Mistgabel-Musik

Redakteur Christopher Göbel schreibt über unterschiedliche Musikgeschmäcker und was manchen Musikern einfällt, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Musik ist an sich etwas Wundervolles. Und der größte Teil der Musiker der Welt macht auch wirklich gute Musik. Tiefgehende Texte, eingängige Melodien, harmonische Harmonien – viel mehr braucht ein gutes Lied nicht. Natürlich ist es Geschmackssache, was einem gefällt und was nicht. Dafür gibt es verschiedene Musikrichtungen von klassischer Musik über Volksmusik, Schlager, Rock, Pop, Heavy Metal ... und alle Unterkategorien.

Was manche „Musiker“ allerdings auf den Markt bringen, spottet jeder Beschreibung. „How it is (Wap Bap)“ von der an sich erfolgreichen Youtuberin Bibi ist so ein Lied, bei dem sich mir die Zehennägel hochkrempeln. Dümmer geht immer, fällt mir dazu nur ein.

Aber auch Musiker, die eigentlich mal schöne Lieder (wohlgemerkt: Nach meinem Geschmack schöne Lieder) geschrieben haben, fallen gerade ein wenig aus der Rolle. Ich rede von Xavier Naidoo und den „Söhnen Mannheims“. Was die in ihren neuesten Song „Marionetten“ bringen, ist hart an der Grenze. Mit dem Text dieses Liedes schlägt der bereits als Verschwörungstherorie-Anhänger bekannte Sänger eine Bresche für die sogenannten Reichsbürger, die AfD, „Pegida“ und andere, denen die Demokratie nicht gefällt. Und denen die in diesem Lied angeprangerten Zustände nicht gefallen. Anders herum: Denen die Politiker, die unser Land regieren, nicht gefallen.

Was will Naidoo damit erreichen? Dass die Bauern vom Lande mit seiner Mistgabel den Bundestag stürmen und dort ein Blutbad anrichten? Erfolgreiche Musiker – und dazu muss ich die „Söhne Mannheims“ nun einmal zählen – haben großen Einfluss auf die ihnen zuhörenden Massen. Wenn Helene Fischer von der Liebe singt, hat das aber weit weniger negative Auswirkungen als dann, wenn sich die Liedtexte in einer politischen Gefahrenzone bewegen. Nicht von ungefähr sind die Lieder rechtsradikaler Bands verboten. Und nicht von ungefähr haben Rundfunksender einige Lieder auf den Index gesetzt. „Burli“ von der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“ oder „Geschwisterliebe“ von „Die Ärzte“ beispielsweise. Damals durften diese Texte aus bestimmten Gründen nicht gespielt und gehört werden. Heute darf (fast) alles gespielt werden, Texte dürfen auf „Youtube“ verbreitet und so ziemlich jede kranke Liedzeile öffentlich präsentiert werden. Stimmt es, dass die Menschheit verroht? Dass anstößige Liedtexte heute sehr viel anstößiger sein müssen als noch von 30 Jahren? Mir mag es beinahe so scheinen...

Wenn die Dumpfbacken, die sich Reichsbürger nennen, oder diejenigen, die mit „Pegida“ und der Partei, deren Namen ich nicht noch einmal nenne, marschieren, sich zu den anstehenden (Wahlkampf-) Terminen mit „Marionetten“ aus den Boxen präsentieren, dann dürfen sich die Mannheimer Söhne echt auf die Schulter klopfen. Dann doch lieber Merkel, die zu „Angie“ aufs Podium tanzt oder „Ich bin der Martin, ne“ bei Schulzens Stelldicheins.

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