Klartext: Mülltaucher

+

Fulda. Redaktionsleiter Hans- Peter Ehrensberger beschäftigt sich in seinem "Klartext"-Kommentar mit dem Mindeshaltbarkeitsdatum für Lebensmittel.

Sie tun es mehrmals die Woche – und in aller Regel heimlich. Denn eigentlich ist es verboten. Die Meisten tun es aus Geldnot, viele auch als öffentlichen Protest gegen einen der schlimmsten Missstände  unserer modernen Wegwerfgesellschaft. Und immer machen diese Menschen fette Beute – in den Abfallbehältern vor großen Lebensmitteldiscountern. Deshalb nennt man dieses Gebaren auch wenig respektvoll "Containern", bezeichnet man jenen Personenkreis als "Mülltaucher".

Rund zehn Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr werden bundesweit einfach so weggeschmissen, hunderte Millionen landen nach Schätzungen von Experten europaweit im Müll. Nahrungsmittel, die im Prinzip noch gut und für den Verzehr geeignet sind –  Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum jedoch abgelaufen ist. Dieses Datum ist Gesetz, das seit 30 Jahren in Deutschland  gilt.  Doch dieses Gesetz ist ein Skandal. Ich denke in diesem Zusammenhang an die hungernden Menschen in der so genannten Dritten Welt, an Millionen ausgemergelte Kinder in Krisenregionen, denen man mit solchen Lebensmitteln möglicherweise das Leben retten könnte. Da bin ich wohl zu blauäugig, auch wenn ich die Problematik einer effektiven Verteilung durchaus sehe. Doch schon in unserer zivilisierten Überflussgesellschaft stinkt diese Lebensmittelverschwendung zum Himmel. Gerade weil viele dieser Lebensmittel eben noch nicht stinken, auch wenn ihr Mindesthaltbarkeitsdatum schon ein paar Tage oder Wochen abgelaufen sein sollte. Jeder von uns dürfte in der Lage sein, Farbe, Geruch, Geschmack und Konsistenz zu prüfen – um  festzustellen, ob ein Lebensmittel noch einwandfrei ist, oder eben nicht mehr. Gut, dass sich jetzt endlich die EU-Agrarminister auf Initiative von Schweden und der Niederlande dazu durchgerungen haben, die Liste jener Lebensmittel, die bisher nicht unter das Mindesthaltbarkeitsdatum fielen (zum Beispiel Essig, hochprozentiger Alkohol, frische Backwaren, Wein, Würfelzucker, Kaugummi) um Tee, Kaffee, Hartkäse Reis und Pasta  zu erweitern. Das zeugt von nachhaltigem Denken und verantwortungsbewusstem Handeln. Jene zwei vollgepackten Einkaufswagen, die jeder von uns im Durchschnitt pro Jahr an Lebensmitteln wegwirft, sollten endlich der Vergangenheit angehören.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Neue Initiative "Wir füreinander in Poppenhausen"

In der Coronakrise: Kooperation von "Leben und Arbeiten in Poppenhausen" und Neubürgern
Neue Initiative "Wir füreinander in Poppenhausen"

"Das tut mir sehr weh": Großvater eines Lesers ist mit Corona infiziert

Der Großvater von Alexander P. ist mit 91 Jahren am Coronavirus erkrankt und liegt im Klinikum Fulda. Wie geht es dem Enkel in dieser Situation?
"Das tut mir sehr weh": Großvater eines Lesers ist mit Corona infiziert

Fahrerflucht in Hilders

Ein Auto wurde am Mittwoch auf dem Parkplatz einer Klini8ik in Hilders beschädigt.
Fahrerflucht in Hilders

Kein Gartenhüttenbrand, aber Treffen mehrerer Personen in Hilders  

Polizei löst Zusammenkunft auf: Zuwiderhandeln gegen bestehende Verbotsverfügung
Kein Gartenhüttenbrand, aber Treffen mehrerer Personen in Hilders  

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.