Klartext: Ein mulmiges Gefühl bleibt

Am morgigen Sonntag wird in Hessen gewählt. "Fulda aktuell"-Redakteurin Antonia Schmidt schreibt über die Landtagswahlen und ihr mulmiges Gefühl.

Morgen ist der Tag X gekommen, denn am Sonntag sollten alle, die in Hessen wahlberechtigt sind und die Demokratie leben wollen, Kreuzchen auf ihrem Wahlzettel machen. Ich bin froh, dass die Landtagswahl 2018 dann vorbei ist, denn nicht nur Politiker rennen in den Wochen des Wahlkampfes von einem Termin zum anderen. Auch wir Journalisten sind immer mit von der Partie. Natürlich ist es wichtig, über die einzelne Veranstaltungen und Ziele der Parteien zu berichten, denn das gehört zu unserem journalistischen Auftrag: Menschen zu informieren. Dennoch bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie wenige Menschen an den Wahlveranstaltungen teilnehmen und sich für diejenigen interessieren, die in Wiesbaden unsere Interessen durchsetzen sollen. Vielerorts hört man die Menschen in der Region über die derzeitige Politik grummeln. Viele Menschen sind der Meinung, dass es nichts bringe, seine Anliegen bei Wahlkampfveranstaltungen vorzutragen. Dieses Handeln kann ich nicht verstehen. Wenn ich meine Anliegen nirgends anbringe, wie sollen sich Probleme dann lösen?

Trotz meiner Freude, dass nach dem Sonntag der Wahlkampf zu Ende ist, muss ich zugeben, dass ein mulmiges Gefühl bleibt. Wie werden sich die Wahlergebnisse auf das Leben in unserer Region auswirken? Wird es, ähnlich wie in Bayern, ein böses Erwachen für die etablierten Parteien geben? Wie wird sich das Votum der Protestwähler auf unser Leben auswirken? Wird es in Fulda dann auch ein Beschwerdeportal geben, auf dem Lehrer von Schülern oder Eltern gemeldet werden können, die sich kritisch über die AfD äußern? Oder wie es auf der Webseite der AfD-Fraktion Sachsen heißt: „Lehrer, die gegen das Neutralitätsgebot verstoßen, sollen auf dieser Plattform gemeldet werden.“ Wird es so etwas Ähnliches auch für Journalisten geben? Freie Meinungsäußerung adé!

Mir ist Angst und Bange vor solchen Methoden, die doch stark an totalitäre Regime erinnern. Andersdenkende werden an den Pranger gestellt – jetzt über das Internet. Übrigens: in vier Bundesländer gibt es solche Portale schon. Und auch in Berlin wurde es am Montag freigeschaltet – ich bin entsetzt über die Entwicklung, die gerade stattfindet. Ich hoffe, dass ich auch nach der Landtagswahl in Hessen meinem Job nachgehen kann, ohne für meine Meinung an den Pranger gestellt zu werden.

Rubriklistenbild: © Pietschmann/ Pixelio

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