Klartext: Nach der Landtagswahl - wie geht’s weiter?

Redakteur Christopher Göbel setzt sich mit dem Wahlergebnis in Hessen auseinander.

Die Hessenwahl ist vorbei. Nach der Bayernwahl die zweite Klatsche für die – man muss schon sagen: ehemaligen – Volksparteien. Ratlosigkeit herrschte am Wahlabend auch im Fuldaer Landkreissaal, als die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme flimmerten. Grund zum Jubeln hatten einzig die Grünen, doch die hielten sich zumindest in Fulda vornehm zurück. Sabine Waschke, die über ihren SPD-Listenplatz 6 abgesichert war, verließ die Veranstaltung schon nach kurzer Zeit.

Mehrheiten sind zwar Mehrheiten, aber Verhältnisse mit nur einer Stimme sind auch immer wackelig. So sähe es gerade mit der (noch) amtierenden schwarz-grünen als auch mit einer möglichen GroKo in Hessen aus. Die FDP dürfte – nach langer Zeit – wieder einmal das Zünglein an der Waage sein. Wobei sich von den FDP-Politikern bisher noch niemand zu „Jamaika“ oder „Ampel“ bekannt hat. Die Grünen allerdings bekundeten, dass sie auch über grün-rot-gelb sprechen wollen. Könnte also Hessen nach Baden-Württemberg den zweiten grünen Ministerpräsidenten bekommen? Unmöglich scheint es nicht.

Abrechnung mit Berlin

Natürlich war das Wählervotum eine Abrechnung mit der Politik der GroKo in Berlin. Merkel hat die Zeichen erkannt und ihren Rückzug auf Raten am Tag nach der Hessenwahl bekanntgegeben. Auch ihr Wahlkampf-Auftritt in Fulda hat Ministerpräsident Volker Bouffier nicht geholfen. Ebenso wenig wie Sigmar Gabriel übrigens, der auf dem Uniplatz sprach, der SPD geholfen hat.

Mich erschüttert, dass die AfD so viele Stimmen bekommen hat. Der Südkreis, vor allem Neuhof, ist zu einer hessischen Hochburg der Rechtspartei geworden. Mag sein, dass der „Hohmann-Bonus“ dort noch Gewicht hat. Aber auch andernorts in Osthessen hat in einzelnen Dörfern diese Partei 30 Prozent und mehr der Stimmen abgegriffen. Schockierend, wenn man bedenkt, welche Punkte die AfD in ihrem Wahlprogramm hat. So etwas kann doch niemand wirklich wollen. Man muss sich nur durchlesen, was Anhänger der Rechten beispielsweise auf „Facebook“ loslassen – da sträuben sich mir die Haare. Fremdenfeindlichkeit paaren sich dort mit Hass, Hetze und Häme. Und hinter blau-roten Fähnchen verstecken sich die Rechtsradikalen dieser Welt. Wer einmal wirklich genau schaut, was die AfD in ihren Programmen bundesweit forderte und was davon tatsächlich umgesetzt wurde, der wird den „Erfolg“ von Gauland, Weidel und Konsorten genau beziffern können: 0,0. Ich hoffe wirklich, dass diese Partei ein Phänomen der Zeit ist und baldigst wieder in der Versenkung verschwindet, wie es „Republikaner“ und anderen mit gleicher Gesinnung bereits getan haben.

Schäfer-Gümbel noch "haltbar"?

Doch wie Hessen nun regiert werden wird, steht noch in den Sternen. Thorsten Schäfer-Gümbel, der seinem Ziel „TSG18“ mit der Prozentzahl erstaunlich nah gekommen ist, sollte nach dem dritten erfolglosen Versuch das Zepter abgeben. Das hätte er schon am Wahlabend tun sollen. Seine Chancen, in vier bis fünf Jahren einen vierten Versuch für die SPD zu starten, sehe ich tief im Keller. Und ein Ministerpräsident Al-Wazir? Es wäre spannend zu sehen, wie sich der gewiefte Plauderer (mit 94 Stimmen mehr als TSG) als Landesvater machen würde.

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