Klartext: Ist die Pressefreiheit in Gefahr?

Wut, Leichtsinn, Kopfschütteln: Zehntausende haben in Berlin eine Abkehr von der Corona-Strategie der Regierung gefordert und Journalisten beschimpft.

Fulda/Berlin - Die Demonstrationen in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen haben in den letzten Tagen für viel Kritik und Diskussionen gesorgt. Wiederholt wurden Journalisten und ihre Teams attackiert. Gewalt gegen Reporter ist zwar kein neues Phänomen, bei den jüngsten Vorfällen kommt allerdings erschwerend hinzu, dass die Lage vor Ort für viele Journalisten unberechenbar geworden ist. Bereits im Mai dieses Jahres wurde das Team der „heute-show“ angegriffen. Das Kamerateam wurde von einer Gruppe auf brutale Weise attackiert – und das am helllichten Tag, mitten in Berlin. Bis zu 25 Täter sollen teilweise mit Metallstangen auf das wehrlose „ZDF“-Team eingeprügelt haben.

Viele Medienvertreter möchten nicht öffentlich über die Gewalt gegen sie sprechen. Einige wollen den Demonstranten keine zusätzliche Angriffsfläche bieten, indem sie die Gewalt öffentlich verurteilen. Andere wollen nicht offen von ihren Ängsten erzählen, um nicht den Eindruck zu erwecken, Gewalt zeige Wirkung. Doch ich finde, jegliche Gewalt ist zu verurteilen, und das sollte auch gesagt werden! Auch von Seiten der Politik wird harsche Kritik an den Protesten von Corona-Gegnern laut.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigte wenig Verständnis für die Demonstranten und schrieb auf Twitter: „Ja, Demonstrationen müssen auch in Corona-Zeiten möglich sein. Aber nicht so! Abstand, Hygieneregeln und Alltagsmasken dienen dem Schutz aller.“ Die Pandemie sei nur „mit Vernunft, Ausdauer und Teamgeist“ zu meistern. „Je verantwortlicher wir alle im Alltag miteinander umgehen, desto mehr Normalität ist trotz Corona möglich“, heißt es weiter.

Kollegen verschiedener Sender, beispielsweise Dunja Hayali, Reporterin des „ZDF“, musste sich vor Ort anpöbeln und beschimpfen lassen, weil sie ihren Job machte. Ihr Auftrag: Berichterstattung. Hätte ich den Auftrag, zu einer Demo zu gehen, um darüber zu berichten, würde ich nichts anderes machen, als die Kollegen. Doch diese mussten sich anschreien lassen und schlussendlich sogar ihre Arbeit abbrechen, weil es teilweise zu gefährlich für sie wurde. Versteht man solch ein Verhalten? Wo ist die Pressefreiheit geblieben? Die Menschen, die in Berlin auf die Straße gingen, kämpfen angeblich „für ihre Freiheit“ aber Journalisten dürfen nicht frei ihren Beruf ausüben? Paradox.

Auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken übte harsche Kritik an den Protesten. „Tausende #Covidioten feiern sich in Berlin als ‚die zweite Welle‘, ohne Abstand, ohne Maske“, schrieb sie auf Twitter. „Sie gefährden damit nicht nur unsere Gesundheit, sie gefährden unsere Erfolge gegen die Pandemie und für die Belebung von Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft.“ Dies sei unverantwortlich.

Übrigens zeigen seit Mitte Juli die Coronavirus-Fallzahlen in Deutschland wieder eine schneller steigende Tendenz, gab das „Robert Koch-Institut“ (RKI) bekannt. Innerhalb eines Tages gaben Gesundheitsämter 1045 neue Corona-Infektionen an (Datenstand 6.8.). Dies ist die höchste gemeldete tägliche Fallzahl seit Anfang Mai – abgesehen vom lokalen Corona-Ausbruch beim Fleischfabrikanten „Tönnies“ Mitte Juni. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Spuk irgendwann vorbei ist und wieder Normalität einkehrt, Menschen auf einander Acht geben und sich mit Respekt begegnen, statt auf einander loszugehen.

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