Klartext: Recht auf Vergessen

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Redakteur Christopher Göbel zum "Google-Urteil" und möglichen Auswirkungen.

Wenn ich beim Suchmaschinenriesen "Google" meinen eigenen Namen eingebe, dann kommen dabei etwa 10.500 Ergebnisse heraus. Bei "Michael Meier" sind es 390.000 und "Peter Müller" sind es schon 505.000. Je häufiger ein Name vorkommt, desto geringer sind die Chancen für einen "Google"-Sucher, sinnvolle Ergebnisse zu finden. Selbst 10.500 Seiten wird niemand einzeln anklicken. Und der größte Teil der Ergebnisse führt gar nicht zu Informationen über mich, sondern zu zahlreichen anderen Menschen, die zufällig den gleichen Namen tragen.

Das jetzt gefällte Urteil des Europäischen Gerichtshofes zeigt, dass dieses "Recht auf Vergessen" – also die Herausnahme von bestimmten Suchergebnissen zum Namen – an sich nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Denn letztendlich sind wir alle gläserne Menschen im Internet. Zu nahezu jedem von uns lässt sich die eine oder andere Information finden, die dem Suchenden Aufschluss über uns selbst geben kann – aber nicht unbedingt muss. Dass "Google" die Ergebnisse herausnehmen muss, ist eine Therapie des Symptoms, nicht der Ursache. Denn die Informationen, die auf den Seiten stehen, zu denen die "Google"-Suche führt, bleiben unangetastet. Natürlich kann jeder beim Betreiber einer Website anfragen, ob gewisse Inhalte oder Fotos gelöscht werden können.

Es wird für den Suchmaschinenriesen eine Heidenarbeit, jetzt auf Antrag (!) bestimmte Suchergebnisse nicht mehr anzuzeigen. Das ist gerecht, denn schließlich hat sich "Google" seit seiner Gründung nicht unbedingt durch Sensibilität im Umgang mit anderer Leute Daten hervorgetan. Allerdings dürfte es keinen Massen-Ansturm für die "Google"-Mitarbeiter geben, denn wir sind alle einfach viel zu träge, wegen eines unliebsamen Eintrags gleich ein Schreiben aufzusetzen oder gar einen Anwalt einzuschalten. Und wenn ich bei "Facebook" sehe, was meine Freunde dort tagtäglich schreiben und welche Fotos so mancher von sich veröffentlicht, scheint es vielen Menschen einfach vollkommen egal zu sein, was über sie im Netz zu finden ist.

Mir ist es nicht ganz egal und ich schaue in regelmäßigen Abständen nach, was man unter "Christopher Göbel" findet. Und bisher war da noch nichts, was mich als Person diskreditiert hätte oder wessen ich mich schämen müsste. Letztendlich sind wir alle selbst für den Schutz unseres Privatlebens verantwortlich – ob EuGH-Urteil oder nicht.

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