Klartext: Retten statt flüchten

Redakteur Christopher Göbel schreibt über unglaubliches Verhalten nach einem Unfall bei Fulda.

Einen Unfall sehen, da Auto wenden und über einen Feldweg schnell daran vorbeischleichen? Was da in dieser Woche in Fulda passiert ist, lässt mich wirklich an der Menschlichkeit einiger Personen zweifeln. Denn statt erste Hilfe zu leisten, sind die Unfallzeugen einfach abgehauen. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Denjenigen, die sich jetzt angesprochen fühlen (sollten), möchte ich zurufen: Euer Verhalten ist nicht tolerierbar! Möchtet Ihr, wenn ihr irgendwann einmal im Graben liegen solltet, auch liegenbleiben, bis sich jemand erbarmt, Euch zu helfen? Möchtet Ihr im schlimmsten Falle selbst sterben, weil anderen einfach die Augen vor Eurem Leid verschlossen haben? Oder würdet Ihr wünschen, dass jemand so schnell wie möglich hilft, um Eure Leben zu retten? Dass die anwesende Polizei nur sprachlos den Kopf schütteln konnte, ist ein Indiz dafür, dass so etwas zum Glück sehr, sehr selten passiert. Ein Glück, dass es nur wenige Menschen wie Euch gibt, die abhauen statt zu helfen.

Ganz nebenbei: Unterlassene Hilfeleistung ist laut Strafgesetzbuch (StGB) und § 323c eine Straftat. „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft”, heißt es dort. An sich sind diese Strafen viel zu lasch dafür, dass es bei Unfällen oft um Menschenleben geht.

Was geht in Menschen vor, die lieber wegsehen anstatt Hilfe zu leisten? Ist es Angst? Oder Gleichgültigkeit? Denn wenn stimmt, was Zeugen beobachtet haben, dann haben Autofahrer den Unfall mit drei Schwerverletzten am Westring bemerkt und sind einfach weggefahren. Ich bleibe dabei: Dieses Verhalten ist unmenschlich. Aber das Geschrei wäre groß, sollten solche Menschen selbst in eine Notlage geraten – und keiner kommt. Alle, die einen Führerschein machen, müssen einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Vielleicht ist das bei dem ein oder anderen schon viele Jahre her, aber diese Maßnahme hat ihren Grund.

Es ist niemand verpflichtet, eine verunglückte Person zu verarzten – außer, man ist zufällig Arzt –, aber die Basics wie Stabile Seitenlage, Blutstillung oder Herz-Lungen-Massage zur Wiederbelebung sind im Falle eines Falles Pflicht von uns allen. Und selbst, wenn man als Zeuge den Notruf wählt und den Unfallort absichert. Helfen kann man immer – man muss nur wollen!

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