Klartext: Schämt Euch, Ihr Gaffer!

Redaktionsleiter Bertram Lenz und seine Meinung über diejenigen, die statt zu helfen im Weg stehen und gaffen.

Ja, es gibt sie, die Helden des Alltags, die immer dann zur Stelle sind, wenn es brenzlig wird oder wenn es – im besten Wortsinne – brennt. So auch vor Kurzem, als die Wehren der Freiwilligen Feuerwehr Tann zu einem Brand nach Neuswarts eilten, der dann unerwartete Ausmaße einnahm. Unterstützung wurde den Einsatzkräften von vielen Aktiven benachbarter Wehren, von Landwirten, aber auch von Privatleuten zuteil.

Zum einen galt es natürlich die Flammen zu bekämpfen und vor dem Hintergrund der lang anhaltenden Trockenheit die Wasserversorgung sicherzustellen, zum anderen aber auch, Getränke und Verpflegung heranzuschaffen. An ihnen allen hat es nicht gelegen, dass ein Sachschaden von weit über einer halben Million Euro zu beklagen ist. Vielmehr waren und sind viele zu Recht stolz auf den tollen Gemeinschaftssinn

Umso mehr hat danach eine Stellungnahme des Tanner Stadtbrandinspektors Thomas Jörges für Aufsehen gesorgt, der sich seine Gefühle rund um den Einsatz von der Seele geschrieben und den Finger in die Wunde gelegt hat. Zitat: „Die vielen positiven Erlebnisse wurden leider auch um eine gemütsdrückende Schattenseite ergänzt. Eine irre Anzahl an schaulustigen Gaffern, welche teils in massiv beleidigender Art und Weise dem wegweisenden Feuerwehrpersonal gegenüber getreten sind, haben teils störenden Einfluss auf die Einsatzarbeiten genommen“.

Man muss sich wirklich fragen, wie es um den Geisteszustand solcher Mitmenschen bestellt ist, die wohl aus reiner Sensationsgier die Einsatzkräfte bei deren Tun massiv behindern. Wahrscheinlich vornehmlich aus dem Grunde, sich eine gute Position zu sichern, um den Auslöser des Smartphones zu betätigen und so schnell wie möglich Fotos/Videos in sozialen Medien posten zu können. Oder per „Whatsapp“ möglichst vielen Freunden Bilder senden zu können, um zu demonstrieren, dass man live vor Ort dabei sei.

„Schämt Euch!“ möchte man diesen Zeitgenossen zurufen, zumal solche Gafferei ja nicht nur auf Brände beschränkt ist, sondern zunehmend leider auch bei Verkehrsunfällen zu beobachten ist. Sie alle, die dabei ertappt werden, sollten für ihr verwerfliches Tun eine möglichst hohe Geldstrafe bezahlen und sich überlegen, auf welchem Wege auch immer sie Hilfs- und Rettungsorganisationen unterstützen könnten. Denn immer mehr engagierte Menschen haben das Gefühl, dass ihr ehrenamtlicher Dienst viel zu wenig honoriert wird.

Oder aber dass sie massiv daran gehindert werden, ihren Aufgaben nachzukommen (siehe das Beispiel Tann). Da ist es gut, dass auch Tanns Bürgermeister Mario Dänner gemeinsam mit Ortsvorsteher Erwin Dänner diese Thematik ebenfalls in einem Offenen Brief aufgegriffen haben. Es bleibt zu hoffen, dass die Worte auch von denen vernommen werden, die es betrifft.

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