Klartext: Schau' mer 'mal

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Ein Klartext-Kommentar von Hans-Peter Ehrensberger zum möglicherweise gekauften deutschen Fußball-WM-Sommermärchen von 2006.

"Na gutt, äääääh." "Schau mer ‘mal." Sie kennen diese Sprüche. Mit ihnen hat sich der "Kaiser" immer wieder nonchalant und geschickt aus der Affäre gezogen, wenn Reporter oder andere Fragesteller glaubten, ihn verbal in die  Enge treiben zu können. Nun dürfte es erstmals richtig eng werden für Franz Beckenbauer, unseren Fußball-Heroen schlechthin, dem die deutsche Öffentlichkeit so ziemlich alles nachsieht, was man nur verzeihen kann: Sieben Kinder mit fünf verschiedenen Frauen, Sexabenteuer auf Vereins-Weihnachtsfeiern, die Hose ‘runterlassen (auch) auf dem Spielfeld, Wutausbrüche an der Seitenlinie, Verbalinjurien gegen Journalisten, Ansätze von Altersstarrsinn bei Spielanalysen als TV-Kritiker. All das sind (waren!) bis dato keine Argumente gegen "Kaiser Franz", den sich 99,99 Prozent der Bundesbürger als ideales Staatsoberhaupt vorstellen könnten – weit noch vor Gevatter Gauck. Doch jetzt scheint das Saubermann-Image des Münchner Arbeiterkindes von Giesings Höhen, das nobel und steuerbegünstigt schon seit Jahren in Kitzbühel und Salzburg residiert, erste dunkle Flecken zu bekommen. Das deutsche Sport-Idol scheint  vom  hohen Sockel zu stürzen, droht tief zu fallen. Der Weltmeister als Spieler und Trainer und später  als Macher des deutschen WM-Sommermärchens von 2006  scheint intensiver in den "FIFA"-Korruptionsskandal verstrickt zu sein, als man es je befürchtet hatte. Warum ausgerechnet sollte Beckenbauer  dem Obersten aller Ober-Mafiosi auf diesem Planeten, Sepp Blatter, als einziger die Stirn geboten, Schmiergeldzahlungen abgelehnt und "schwarzen Kassen" widerstanden haben? Warum sollte allein die deutsche WM nicht gekauft worden sein? Niemand glaubt das wirklich und viele werden dafür sogar ein gewisses Verständnis aufbringen. Geld regiert die Welt – gerade auf diesem Level im internationalen Spitzensport kommt die Vergabe von Weltmeisterschaften und  Olympischen Spielen  einer Lizenz zum Drucken von Milliarden gleich. Viele partizipieren und noch mehr profitieren davon. Das kann man den Vorteilsnehmern noch nicht einmal groß übel nehmen. Verurteilen muss ich jedoch, dass solche Leute nicht den Mumm haben, dies ehrlich zuzugeben. Dies würde das verwerfliche System aus Lug und Betrug zerschlagen und könnte ihnen persönlich ein reineres Gewissen verschaffen."Schau mer mal", ob Beckenbauer, Niersbach, Zwanziger, Schily und Konsorten den Mut dazu aufbringen werden. Dann würde die Mehrheit zwar nicht gleich "na gutt" sagen, aber vielleicht "na ja – so ist sie eben, die Welt von heute". Leider.  Mit drei großen Fragezeichen und einem entsprechenden :-(- Smiley.

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