Klartext zu "Die Schöne und das Biest": Schwul – na und?

Redakteur Christopher Göbel schreibt über die erste homosexuelle Disney-Figur und deren Auswirkungen auf manche Menschen.

„Die Schöne uns das Biest” ist eine wundervolle Geschichte über Liebe und Freundschaft. Ein Film, der schon im Disney-Zeichentrickfilm von 1991 Kinder- und Erwachsenenherzen begeisterte. Als Musical kam er später auf die Bühne, inzwischen wurden auch mehrere Filme mit realen Schauspielern gedreht. Der neueste ist ein Rekord-Kinohit. Mit Emma Watson als „Schöne” und Dan Stevens als „Biest” hat der Film des Regisseurs Bill Condon in Deutschland einen glänzenden Start hingelegt.

Aber es gibt ein Problem. Nein, es ist kein Problem. Aber so mancher Erzkonservative und/ oder Schwulenhasser hat ein Haar in der Suppe gefunden: Jos h Gad spielt als „Le Fou” offen eine homosexuelle Figur. Das ist für Disney, eine Firma, die als konservativ gilt und die bisher in Filmen klare Rollenverteilungen von Männlein und Weiblein präsentierte, eine ziemlich ungewöhnliche – und bis dato einmalige – Aktion. Und das bringt nun einige auf die Palme.

Der anglikanische Bischof Rennis Ponniah aus Singapur hat seine priesterlichen Schäfchen darüber informiert, die Gemeindeglieder auf die „homosexuellen Inhalte” des Films hinzuweisen. Eltern hätten laut Ponniah die Aufgabe, ihren Kindern Orientierung zu geben. Es scheint klar zu sein, welche Orientierung der Bischof meint. Denn wenn es darum ginge, den Kindern Weltoffenheit und Toleranz zu vermitteln, hätte der Bischof keinen Grund gehabt, überhaupt tätig zu werden. Übrigens berichtet eine Internetseite mit katholischen Nachrichten von dem Brief des Bischofs aus Singapur. In Russland wurde die Altersfreigabe für den Film wegen dieser Szene auf 16 Jahre hochgesetzt. Putins Schwulenhass ist ja durchaus bekannt. Auch in erzkonservativen Teilen der – ach so liberalen – USA weigern sich Kinos, den Film vorzuführen. Und in Malaysia darf der Film nur gezeigt werden, wenn die „homosexuellen” Szenen herausgeschnitten werden.

Ist das wirklich noch zeitgemäß? Leben wir nicht in einer so aufgeklärten Zeit, dass es ganz normal ist, dass Männer Männer und Frauen Frauen lieben dürfen? Und das öffentlich und nicht hinter verschlossenen Türen? Haben manche Menschen keine anderen Probleme, als sich über Randszenen in Kinderfilmen aufzuregen? Ich bin froh, in einem Land und einer Gesellschaft leben zu dürfen, in dem Homosexualität nicht tabuisiert werden muss. In einem Land, in dem Promis aus TV und Film, Musik und auch der „Mensch von der Straße” ihre Sexualität leben können, ohne geächtet oder gar unter Strafe gestellt zu werden. Leider ist die Welt nicht überall so weit. Dass viele Menschen in vielen Teilen der Erde bereits freier denken, werden auch in 2017 die zahlreichen „Christopher Street Day”-Veranstaltungen zeigen. In Deutschland findet der erste „CSD” übrigens am 23. und 24. April in Potsdam statt.

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