Klartext: Sibirischer Sommer verhagelt die Freibad-Saison

Redakteur Christopher Göbel sinniert über die vergangene (Un-)Sommersaison nach und welche Auswirkungen das miese Wetter allgemein hatte.

1975 sang Rudi Carrell „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“. 42 Jahre später habe ich mir in den vergangenen Wochen und Monaten diese Frage auch oft gestellt. Ja, es gab ein paar heiße Tage, ein paar warme Tage und auch ein paar ganz angenehme Tage. Aber so richtig Sommer? Den gab es in diesem Jahr nicht. Allen, die von einem richtigen Sommer leben müssen, hat dieses Jahr wohl heftig die Saison vermiest. Straßencafés, Eisdielen und nicht zuletzt die Freibäder der Region klagen über mangelnden Umsatz beziehungsweise fehlende Gäste.

Verständlich, da zwar an den Tagen, als es vom Wetter her möglich war, Scharen ins kühle Nass strömten – an den meisten anderen kühlen und verregneten Tagen aber fast nur die winterharten und wetterfesten Frühschwimmer. Davon kann sich kein Freibad finanzieren. Abgesehen davon, dass die meisten öffentlichen Schwimm- und Freibäder grundsätzlich Zuschussbetriebe sind, die sich nicht durch die Einnahmen allein finanzieren können. Die öffentliche Hand – also die kommunalen Stadtwerke – schießen jedes Jahr viel Geld in den Unterhalt und das Personal der Schwimmbäder.

Zu was das letztendlich führen kann, zeigt sich am Beispiel der „Aquasalis-Therme“ in Bad Salzschlirf. Diese ist derzeit geschlossen und wird es auch weiterhin bleiben. Eine Renovierung der maroden Technik würde nicht lohnen, ein Neubau kann momentan nicht finanziert werden, da Investoren fehlen. Wenn dann ein verkorkster Sommer auch noch das Freibadgeschäft verhagelt, dann müssen die Kommunen zusehen, wie sie das alles finanzieren. „Für das Schlitzer Freibad war der Sommer 2017 eine Katastrophe“, sagt beispielsweise der Schlitzer Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer.

Zwar haben einige Bäder versucht, durch Poolpartys, sportliche Events oder anderes Publikum zu locken – doch ein Spitzentag pro Saison reicht nicht aus. Die Technik muss stets einsatzbereit sein, das Wasser sauber und die Schwimmmeister im Einsatz. Das kostet – auch wenn keine Einnahmen fließen. Denn für die Badegäste, die kommen, muss die Qualität – vor allem die des Wassers – stimmen.

Man kann nur hoffen, dass der Sommer 2018 freundlicher zu uns Osthessen sein wird. „Ja, mit Sonnenschein von Juni bis September, und nicht so nass und so sibirisch wie im letzten Jahr ...“ !

Die Wetterfrösche sagen uns ja für die kommenden Tag wenigstens einen Goldenen Oktober voraus – auch wenn das für die Freibäder zu spät ist, denn die sind seit Anfang September geschlossen. Aber die Sonne können wir dennoch alle genießen und auch gebrauchen. Besonders freue ich mich auf die kommende Woche. Denn „Lolls“ ist definitiv mit Sonne schöner als mit Regen ;-) ! Bereits ab Sonntagabend geht es los, ehe am Montag ab Punkt 12 Uhr der große Festzug durch die Festspielstadt zieht. Und dann wird eine Woche gefeiert. Also dann: Enner, zwoon, dräi – Bruder Lolls!

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