Klartext zur Silent Demo in Fulda

Rassismus ist ein ernsthaftes Problem unserer Gesellschaft - auch in Deutschland.

Fulda - In vielen deutschen Städten sind am vergangenen Wochenende zehntausende Menschen gegen Rassismus auf die Straße gegangen. Angesichts der unerwartet hohen Teilnehmerzahlen bereiten vielen Menschen die mangelnden Corona-Schutzmaßnahmen bei den Demos Sorgen – und wohl kein Medium, das darüber berichtet hat, blieb verschont von hasserfüllten Nachrichten und Kommentaren. Die Menschen die auf die Straße gegangen sind seien egoistisch und unvernünftig. Viele befürchten nun eine weitere Welle von Corona-Kranken.

Auch in Fulda gingen tausende Menschen auf die Straße. In Portalen wie „Instagram“ wurde bereits vor der Demo immer wieder auf die Empfehlung von Masken und den Sicherheitsabstand hingewiesen. Auch vor Ort waren Polizei, Ordnungsamt und beauftragte Aufsichtspersonen präsent. Der Ansturm wurde allerdings unterschätzt, und so konnten die Sicherheitsabstände nicht immer eingehalten werden. Doch bereits vor den Demos schlich sich bei vielen Menschen so langsam der Alltag ein. So ist der Großteil der Infektionen der vergangenen Tage in Zusammenhang mit Freizeitunternehmungen wie Feierlichkeiten im privaten und familiären Rahmen in Verbindung zu setzen. Ob die Demonstrationen eine weitere Coronawelle in Deutschland auslösen, bleibt abzuwarten.

Die Menschen allerdings als egoistisch zu bezeichnen, ist in meinen Augen paradox. Ja, es war leichtsinnig und unverantwortlich in der Zeit einer Pandemie, unkontrollierbare Massen anströmen zu lassen, jedoch haben sie es nicht aus purem Egoismus und Leichtsinn getan. Diese Menschen wurden berührt durch etliche Geschichten, die weit in die Zeit zurückreichen und auch jener die heute direkt vor unseren Augen geschehen.

Rassismus ist kein Problem, das erst seit dem Tod George Floyds besteht. Floyd war das i-Tüpfelchen, das das Fass zum Überlaufen brachte. Es war längst überfällig, dass Menschen jeglicher Herkunft gegen Rassismus auf die Straße ziehen. Es ist Zeit, aufmerksam zuzuhören und wahrzunehmen, dass unsere Gesellschaft Teil des Problems ist.

Rassismus ist nicht nur ein amerikanisches Problem, sondern ein generelles gesellschaftliches. „Menschenzoos“ hatten zwischen 1870 und 1940 ihre Blütezeit in Europa. Ein meist vergessener Teil der Geschichte. Dunkelhäutige Menschen die betrachtet worden sind wie Tiere. Doch war es nur damals so? Bei einigen Kommentaren im Netz bin ich fassungslos. Immer noch werden unsere dunkelhäutigen Mitmenschen schikaniert und abgewertet. „Affe“, oder „Geh‘ zurück in deinen Dschungel“ sind nur Beispiele für Beschimpfungen ,die unsere dunkelhäutigen Mitmenschen Tag für Tag ertragen müssen. Und wenn jetzt noch immer jemand sagt, wir in Deutschland haben kein Rassismusproblem, der sollte sich nicht mit weißen Menschen über dieses Thema unterhalten, sondern sollte mit Betroffenen sprechen und ihnen ganz genau zuhören.

In Deutschland tritt Rassismus meist unterschwellig auf, ist aber dennoch präsent und verletzend. Oft hört man dann Sätze wie „Ich bin kein Rassist, aber damals war das einfach so“– und nur weil es damals so war, heißt es , dass man es heute nicht besser machen kann?

Würde man alles immer so machen wie „damals“ gäbe es auf der Welt keine Fortschritte in jeglicher Hinsicht. Nun ist die Zeit gekommen, die Dinge anders zu machen, denn Grundrechte und Gleichheit sind keine verhandelbaren Bedingungen, sondern das Anrecht aller. Diese Werte bilden das Fundament unserer Freiheit. Und nun steht eine ganze Generation auf und kämpft. Ein Kampf für eine bessere Welt. Lasst uns gemeinsam erforschen wo wir es in unserer Sprache nicht so genau nehmen und Gefühle verletzen, wo wir unsere Kinder und uns selbst besser erziehen können, um Rassismus zu erkennen, zu benennen und eindämmen zu können.

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