Klartext: Solidarität in der Corona-Krise zeigen

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Die neuen Corona-Beschränkungen - faktisch ein Lockdown - und die Gedanken dazu von Redakteur Christopher Göbel.

Nun ist es soweit: Aufgrund der explosionsartigen Verbreitung des Coronavirus haben Bund und Länder einen neuen Lockdown beschlossen. Leidtragende sind vor allem Gastronomie, Hotellerie und die Veranstaltungsbranche. Doch warum steigen die Zahlen so rasant an, obwohl wir seit März eigentlich schon in einer gefühlten Corona-Blase leben, die unser aller Leben so einschneidend verändert hat? Ich weiß es nicht, und selbst Experten und Virologen haben keine befriedigende Antwort.

Die erneuten Einschränkungen sind aus meiner Sicht erst einmal lediglich ein Versuch, das Virus einzudämmen, ohne dass irgend jemand weiß, ob es helfen wird. Grundsätzlich bin ich allerdings der Meinung, dass ein Versuch immer noch besser ist, als gar nichts zu tun. Da aber nicht alle so denken, rechne ich fest damit, dass Coronaleugner und andere Mitläufer sehr bald wieder auf die Straße gehen werden, um gegen die Maßnahmen zu demonstrieren.

Das ist deren Recht, aber ich sehe das kontraproduktiv. Denn dass sich ein Virus in Menschenmassen sehr viel schneller verbreiten kann, braucht keine Berechnungen, sondern nur ein wenig Verstand. Diejenigen, die tatsächlich ihre Existenz bedroht sehen, gehen nicht auf die Straße – einmal abgesehen von der Veranstaltungsbranche, die kürzlich vor dem Reichstag zeigte, dass Kultur auch in Zeiten von Corona im wahrsten Sinne Kulturgut ist.

Branchen vor dem Aus

Aber die Gastronomen und Hoteliers, die die vergangenen Monate damit zugebracht haben, ihre Häuser und Restaurants so sicher wie möglich zu machen, stehen nun wieder vier Wochen lang vor dem Nichts. Wer nicht auf das Modell „Liefer- und Abholservice“ gesetzt hat, ist nun im wahrsten Sinne des Wortes arm dran. Ob da die zugesagten 75 Prozent Einnahmeausfall ausreichen, um Personal- und Betriebskosten zu decken und noch dazu die eigene Familie zu ernähren, dürfte fraglich sein.

Leerstehende Hotels kosten auch Geld, wenn keine Gäste dort logieren. Damit verbunden steht auch die Reisebranche wieder vor dem Aus. Wie viele Reiseveranstalter können mit diesen nebligen Aussichten über den Jahreswechsel hinaus überleben? Ich weiß es nicht. Ich kann nur hoffen und beten, dass die Maßnahmen, die vor allem das Privatleben einschränken, tatsächlich Wirkung zeigen. Falls nicht, wird es bei einer dritten Welle sehr schwierig, die Menschen mit Corona-Einschränkungen zum Umdenken zu bringen.

Schule ja - Freunde nein?

Was mir noch sauer aufstößt: Unsere Kinder sollen weiterhin in KiTas und Schulen gehen. Dorthin fahren tausende in vollen Schulbussen. Im Unterricht sitzen sie oft in zu kleinen Klassenräumen dicht beieinander. Aber nachmittags dürfen sie sich nicht mehr mit Freunden treffen. Sicherlich sind Bildung und sozialer Kontakt für unsere Kinder wichtig, aber da hätten die Schulen in den letzten Monaten noch mehr tun müssen, um allen einen digitalen Unterricht zuhause zu ermöglichen. Es ist ja auch nicht gesagt, dass das komplette Leben wieder heruntergefahren wird, wenn die ab Montag geltenden Regeln nicht fruchten.

 Aber dennoch hängt von den kommenden Wochen ab, wie wir Weihnachten feiern werden. Aber haben die Politiker auch daran gedacht, dass es auch ein Leben nach Weihnachten geben muss?

Ich werde mich an alle Regeln halten und Solidarität zeigen. Und das tue ich, weil ich so schnell wie möglich wieder einen Familiengeburtstag feiern möchte, ins Theater und zu Volksfesten gehen und ohne Angst leben möchte, mich oder andere mit einem Virus anzustecken.

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