Klartext: „Tag des Herrn“

Bewaffnet mit Bier, Bratwurst und Branntwein im Bollerwagen begeben sich am Vatertag hunderte Vertreter des männlichen Geschlechts auf die gemeinsame

Bewaffnet mit Bier, Bratwurst und Branntwein im Bollerwagen begeben sich am Vatertag hunderte Vertreter des männlichen Geschlechts auf die gemeinsame Jagd nach Spaß in die freie Natur. Wobei "Spaß" ein weitgefasster Begriff ist, der vom kollektiven Besäufnis bis zur krawalligen Massenschlägerei reichen kann. Für Letzteres habe ich überhaupt kein Verständnis.

Seine heutige "Form" erhielt der Vatertag bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Er sollte dazu dienen, jüngere Männer in die Sitten der älteren einzuweihen – unglücklicherweise aber auch in deren Unsitten. Ich möchte an dieser Stelle einmal die Statistik bemühen, die besagt, dass an Vatertagen erheblich mehr Schlägereien als an allen anderen Tagen des Jahres ausbrechen. Auch die Zahl der Alkohol-Unfälle steigt an Christi Himmelfahrt um das Dreifache an.

So lange die Väter – und ich mag bezweifeln, dass es sich beim Großteil der "Feld-, Wald- und Wiesensäufer" um solche handelt – sich beim friedlichen Beisammensein miteinander vergnügen, sollen sie nach ihrer Façon glücklich werden. Für mich ist der Vatertag ein Familientag, an dem ich mich ganz meiner kleinen Tochter widmen werde. Er eignet sich für einen kleinen Ausflug, Treffen mit anderen Freunden und deren Kindern und darf – sofern das Wetter es erlaubt – auch mit einer kleinen Grillparty auf unserer Terrasse ausklingen.

Ich möchte einfach ein verantwortungsvoller Vater sein, der seinem Kind ein Vorbild ist. Dazu gehört bestimmt nicht, abends volltrunken aus dem Wald zu torkeln, möglichweise noch mit einem blauen Auge und einer polizeilichen Anzeige wegen Körperverletzung im Gepäck.

So lange gemeinsames Feiern im moderaten Rahmen bleibt, sei jedem Vertreter der männlichen Spezies – der Vatertag heißt regional auch "Männer-" oder "Herrentag" – dieser Termin gegönnt. Auch wenn bei der "Herrenpartie" der eigentliche Grund für den Feiertag, nämlich die Himmelfahrt Christi, oft vergessen wird. Und somit wird die Wallfahrt eher zur Waldfahrt, das Prozessieren zum (sich) Produzieren.

Wer am Vatertag ungezügelt feiern und exzessiv saufen will, sollte wenigstens darauf achten, einen "trockenen" Freund dabei zu haben, der ihm im Notfall helfend zur Seite steht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.