Klartext: Tarek Al-Bouffier

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Fulda aktuell-Redakteur Hans-Peter Ehrensberger kommentiert die geplante schwarz-grüne Koalition in Hessen - die erste in einem deutschen Flächenland.

Ich erinnere mich noch genau an das Bild, als der hessische Grünen-Chef Tarek Al-Wazir dem damaligen CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch den Handschlag verweigerte. Ich habe auch nicht ein Interview von Volker Bouffier vergessen, in dem er noch vor kurzem, sinngemäß – und um mit den Worten seines bayerischen Amtskollegen Horst Seehofer zu sprechen – "gar nie nicht jemals" eine Koalition mit den Grünen eingehen werde.  Man war sich bis dato in Hessen nicht hold, um nicht zu sagen spinnefeind. Ja ich glaube sogar sagen zu können, dass man sich regelrecht gehasst hat. Die Grünen und die CDU, das war auf beiden Seiten ein "no go", ein (Nicht-) Verhältnis wie Kain und Abel, die Wahl zwischen Pest und Cholera, wie der Teufel und das Weihwasser – unvereinbar. In dieses Bild passt auch der frühe Turnschuhminister Joschka Fischer, der in seiner vor-politischen und prä-parlamentarischen  Karriere als Revoluzzer und studentischer Barrikadenkämpfer mitunter auch ‘mal mit einer Dachlatte einem Polizisten auf’s behelmte Haupt hieb und bei seiner Ver(t)eidigung auf die Amtseid-Formel  "So wahr mir Gott helfe" bewusst verzichtete.  Die Grünen, das waren vor allem jedoch deren politische Ansichten, Anti-Atomkraft und anti-amerikanische Tendenzen, das war Gorleben und der Frankfurter Flughafen. Reizthemen, die plötzlich keine mehr sein sollen?Aus den Schmuddelparlamentariern sind mir nix dir nix Vorzeigedemokraten geworden, mit denen man ein Zweckbündnis wagen, eine Liaison auf Zeit eingehen kann.  Eine Liebesheirat wird sich daraus vorerst wohl nicht entwickeln, aber der Ringtausch in Hessen zwischen Bouffier und Al-Wazir könnte ein Fingerzeig auch für weitere Flächenländer und den Bund sein, dieses Ehe-Experiment auf Polit-Ebene auch woanders zu probieren. Grundsätzlich hat sich die Parteienlandschaft in der bundesdeutschen Politik grundlegend verschoben. Das begann nach der Wende mit der Mutation der SED zur PDS und jetzigen Linken  und endete – vorläufig und aktuell – mit der Metamorphose einer 18-Prozent- zur Pleiten-, Pech- und Pannen-FDP. Die Piraten hissen mittlerweile wieder die weiße Flagge, braun-verquere Eurokritiker stehen vor der Bundestagstür. Spannende neue Koalitionen und Konstellationen tun sich für die Zukunft auf.  Deutschland ist "on the move".

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