Klartext: Ein Umdenken ist nötig

Die Müllproblematik und die Pläne der Bundesumweltministerin beschäftigen Redakteur Christopher Göbel in dieser Woche.

Müll ist ein großes Problem unserer Wegwerf-Gesellschaft. Jeder von uns produziert Abfall – manche mehr, manche weniger. Dass die Bundesumweltministerin Svenja Schulze nun plant, die Hersteller von Wegwerfartikeln (also Verpackungen wie Coffee-to-go-Becher oder Pizzakartons) für die Stadtreinigung zur Kasse zu bitten, halte ich aber für den falschen Weg, um unsere Umwelt zu entlasten.

Ich sage Ihnen auch, warum. Wir sind als Menschen eigentlich selbst in der Verantwortung, Müll so zu entsorgen, wie er am umweltverträglichsten entsorgt werden sollte. Glas, Papier, Gelber Sack – ich achte penibel darauf, alles zu trennen und auf die jeweiligen Abfallbehälter zu verteilen. Mit dem Kauf von verpackten Artikeln, die den „Grünen Punkt“ haben, leisteten wir als Verbraucher bereits unseren Beitrag zur Entsorgung. Das wurde uns zumindest bei der Einführung des Recycling-Systems so vermittelt.

Ich befürchte, dass diejenigen, die eine „Mir-doch-egal“-Mentalität an den Tag legen, sich auch nicht verändern werden, wenn sie für ihre Dönerbox, die Alufolie vom China-Imbiss oder den Papp-Kaffeebecher ein paar Cent mehr bezahlen. Wenn sie dann ihren Müll achtlos irgendwohin werfen, könnten sie das sogar noch rechtfertigen, denn sie hätten ja sozusagen im voraus für die Entsorgung bezahlt.

Dass die Industrie die dann auf sie zukommenden Entsorgungskosten alleine tragen und nicht auf alle Verbraucher umlegen würde, halte ich für utopisch. Städte und Gemeinden monieren, dass die Entsorgung vor allem an öffentlichen Plätzen, beispielsweise in Parks, immer teurer wird. Das ist nachvollziehbar, aber man sollte bedenken, dass die Stadtreinigung auch aus kommunalen Mitteln, also Steuergeldern, finanziert wird. Ich bin sicher, dass hier ein Umdenken in den Köpfen stattfinden muss. Städte und Gemeinden müssen entweder mehr Aufklärung betreiben, um die rücksichtslosen Müll-Monster dazu zu bringen, ihren Unrat nach der Feier im Park selbst mitzunehmen. Oder sie müssen tatsächlich ihre Ordnungsdienste auf die Abfallsünder ansetzen und Bußgelder verhängen.

Höhere Kosten, wie sie durch eine Beteiligung der Hersteller an den Entsorgungskosten entstehen würden, träfen alle. Bußgelder für die wirklichen Sünder träfen nur diejenigen, die es verdient hätten. Das wäre aus meiner Sicht die gerechtere Lösung. Schulze hat auch noch keinen Plan genannt, wie sie sich diese Beteiligung der Hersteller vorstellt.

Abgesehen davon: Wer soll sich eigentlich beteiligen? Die Firma, die die Burger-Boxen herstellt oder das Unternehmen, dass in den Boxen Burger verkauft? Und sind die Servietten, die ich zum Crêpe bekomme, auch Einwegmüll? Was bei den Plänen der Umweltministerin am Ende stehen würde, wären auf jeden Fall höhere Kosten für alle, die Artikel in Wegwerf-Verpackungen kaufen.

Es gibt heute Möglichkeiten, die eigene Ökobilanz zu verbessern. Aber manchmal geht es eben nicht. Ich gebe offen zu, dass ich keinen Burger ohne Verpackung aus der Hand des Schnellimbiss-Mitarbeiters entgegennehmen möchte und dass ich kein Porzellanschälchen mit zur Pommesbude nehme.

Beim „Hessentag“ in Bad Hersfeld gab es verpflichtend Becher, die beim Neukauf von Getränken ausgetauscht wurden. Das hat mir gefallen und in der Stadt wurde so kaum Müll durch Papp- oder Plastikbecher produziert. Solche Maßnahmen tragen viel mehr dazu bei, unsere Umwelt zu schonen, als höhere Kosten für die Allgemeinheit, von denen aufgrund der Nicht-Überprüfbarkeit doch ein Teil in die Taschen der Industrie und nicht in die der Müllentsorger fließen wird.

Grundsätzlich sollte jeder von uns darauf achten, weniger Müll zu produzieren.

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