Klartext: Es ist unfassbar

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Redakteur Christopher Göbel über den Flugzeugabsturz in den französischen Alpen.

Seit ich von dem schrecklichen Flugzeugunglück erfahren habe, war ich im tiefsten Inneren zwiegespalten. Zum einen bewegte mich das Schicksal der 150 gestorbenen Menschen. Zum anderen war mir das, was manche Medien aus diesem Vorfall machten, etwas zu dick aufgetragen. Dieses Unglück mit bewegten Bildern von Abstürzen aus den vergangenen Jahrzehnten zu "garnieren”, über die Sicherheit des Fliegens allgemein oder über das Vertrauen in Firmen wie "Airbus” oder "Germanwings” zu diskutieren, fand ich einfach "too much”.

Ich dachte an die Angehörigen der Opfer. An die Schüler des Gymnasiums in Haltern. An diejenigen, die nun in den Trümmern Teile der Opfer einsammeln müssen. Aber ich trauerte nicht. Nicht so, wie ich für mich selbst Trauer definiere. Trauer ist für mich etwas sehr intimes, das ich nur für mir nahestehende Menschen empfinde. Betroffenheit wäre eher das Wort, das ich mit diesem Flugzeugunglück verbinde.

Doch dann passierte etwas, was mich ziemlich umhaute. Die Nachricht, dass der Co-Pilot den Absturz möglicherweise mit Absicht herbeigeführt hat. Es ist mir unerklärlich, dass dies Wirklichkeit sein soll. Doch die Stellungnahmen, die bei Pressekonferenzen abgegeben wurden, lassen kaum einen anderen Schluss zu. Der Co-Pilot hat den Sinkflug willentlich und wissentlich herbeigeführt. Er hat den Piloten absichtlich nicht ins Cockpit zurückgelassen. Er hat bis zum Aufprall auf den Felsen "ruhig weitergeatmet”, wie der Voicerecorder wohl beweist.

Was treibt einen Menschen an, nicht nur selbst den Freitod zu wählen, sondern auch noch 149 Unschuldige mit in den Tod zu reißen? Ich kann es nicht erahnen, was im Kopf von Andreas L. vorgegangen sein mag. Hat er das von langer Hand geplant? War es ihm egal, dass Babys, Teenager und Erwachsene unschuldig den Tod finden? Hat er all diese Menschenleben wirklich so kaltblütig geopfert, wie es den Anschein hat?

Ich weiß es nicht. Vielleicht werden wir alle es niemals wissen. Es ist nur unfassbar traurig, dass die Tat eines Einzelnen so viele Menschen ins Unglück gestürzt hat. Die Opfer selbst, die Angehörigen, die Freunde – nicht zuletzt ganze Staaten. Ich kann es immer noch nicht fassen – und mir fehlen die Worte.

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